SANFTE DOMINANZ

Ein Paar auf dem Weg zu sanfter Dominanz und Devotion.

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Veröffentlicht am 5. November 2021

Als Jule aufschloss und bevor sie in die Etagenwohnung trat, schallte ihr schon der Lärm der Playstation entgegen. Sie ging in die Küche, verstaute die eingekauften Lebensmittel und traf eine kleine Entscheidung, die ihr und Max Leben verändern sollte.

Aber das konnte sie an diesem späten Nachmittag noch nicht wissen. Denn es begann alles mit einer Kleinigkeit.

Max Blick war gebannt auf den Bildschirm. Er fuchtelte an dem Controller herum und Kriegsgeräusche schepperten aus den Lautsprechern, die überall in ihrem Wohnzimmer Schall ausspuckten. Max hatte sie eingerichtet. Technik war sein Ding und sein Job.

In letzter Zeit war er in seinem Hobby allerdings besser gewesen als in seinem Job. Zumindest seinen Schilderungen nach war er in Call of Duty ziemlich gut. Was das bedeutete, konnte Jule nicht sagen. Es zahlte sich jedenfalls nicht in einer Währung aus, mit der sie rechnen konnte. Sie hatte nichts gegen seine Videospiele. Sie hatte ebenso dumme Hobbys. Ihre Seifenopern zum Beispiel. Sie waren ihr peinlich, aber sie konnte nicht davon lassen. Sie musste sich dafür nicht schämen und Max musste es auch nicht.

Sie betrat das Wohnzimmer.

„Hallo Schatz, wie sieht’s aus?“

Es dauerte eine Sekunde, bis Max antwortete: „Ganz gut. Bis vor einer halben Stunde. Killing Streaks, Achievements. Das volle Programm. Ich habe den Server gerockt… und dann kamen diese zwei Zwölfjährigen, und die machen wirklich alle platt!“ Auf den Monitor gebannt starrend brüllte er aus dem Nichts: „F*ck! Schon wieder!“

Max warf den Controller auf den Boden, und der hüpfte auf dem flauschigen Teppich davon.

Jule und Max beiden sahen sich an und dann murmelte Max: „Sorry“, grinste und krabbelte vom Sofa auf den Boden, um den Controller zu holen.

Doch als er sich umdrehte, hatte Jule seinen Platz gestohlen und es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. Max hockte unschlüssig da und fragte sich, wo er sich nun hinsetzen sollte.

„Du hast mich gar nicht gefragt, wie mein Tag war.“

„Oh, tut mir leid. Wie war er denn?“

„Schrecklich! Ich war den ganzen Tag auf den Beinen. Nur rumgelaufen. Kundengespräche. Und dann mit den neuen Schuhen. Du weißt ja!“ Jule wippte mit ihrem Fuß.

Max nickte, obwohl er nicht wusste, wovon Jule sprach. „Mein Tag war auch wieder so richtig mies…“

Jule unterbrach ihn sofort: „Weißt du, was ich jetzt wirklich gut gebrauchen könnte?“

Da Max nicht antwortete, fuhr sie fort: „Eine Fußmassage.“

„Okay…“ Offensichtich war er davon nicht überzeugt, aber da er es versäumt hatte, Jule nach ihrem Tag zu fragen und nur selbst geklagt hatte, musste er wohl guten Willen zeigen, um nicht als egoistisch zu gelten. Und auch, wenn er zu Beginn der Geschichte vielleicht so gewirkt haben muss, sei gesagt, dass es falsch wäre, ihn so zu beschreiben. Er war eigentlich zuvorkommend, aber er war eben auch von der Arbeit gestresst und suchte ein Erfolgserlebnis, das ihm die Videospiele eben schenkten.

„Soll ich dir ein schönes Fußbad machen?“

„Ach, es würde mir schon reichen, wenn du mich ein wenig massieren würdest.“

Ein neuer Wunsch war das und Max hatte nicht das im Kopf, was Jule vorhatte. Vielmehr dachte er an Paare jenseits den zwanzigsten Hochzeitstags. Die würden sich wahrscheinlich gegenseitig die Füße massieren. Jule hingegen hatte, wie gesagt, etwas anderes im Sinne.

„Na gut. Dann rutsch mal was, und ich setze mich neben dich!“

„Mach dir keine Umstände. Bleib einfach da auf dem Boden. Du sitzt schon so gut vor meinen Füßen.“

„Okay…“.

Er krabbelte also vor Jule, die die Beine übergeschlagen hatte und ihm ihren rechten Fuß präsentierte.

Vorsichtig zog er den Schuh von ihrem Fuß. Er hätte nicht sagen können, ob der wirklich neu war. Jules Klamotten waren, das musste er zugeben, nicht etwas, auf das er besonders achtete. Dann zog er ihren Strumpf aus, und das Gleiche machte er mit dem anderen.

Achtlos schob er sie hinter sich.

„Könntest du die Schuhe vielleicht gerade zusammenstellen? Du weißt, ich habe diesen Ordnungsfimmel.“

Max hatte den das ein oder andere Mal tatsächlich wahrgenommen, also meinte er nur: „Selbstverständlich“ und stellte die Schuhe ordentlich nebeneinander und steckte die beiden Socken, unschlüssig, was er mit denen machen sollte, in die Schuhe.

„Du bist lieb! So sieht es viel schöner aus, findest du nicht?“

Er nickte und nahm ihren rechten Fuß vorsichtig in die Hand. Vorsichtig, weil er nicht so richtig wusste, was er damit anfangen sollte. Er hatte noch nie die Füße von jemandem massiert, und weil Jule über Schmerzen geklagt hatte, wollte er ihr auch nicht wehtun.

Ein strenger Geruch stieg ihm kurz in die Nase, aber das war ja nur natürlich nach einem langen Tag.

Und so begann er langsam über ihren Fuß zu streichen, ein wenig ungelenk, aber durchaus ernsthaft, und Jule war im siebten Himmel über das, was gerade passierte und gleichzeitig fasziniert, dass er noch nicht verstanden hatte, wo die Reise hingehen sollte. Dabei war es doch so offensichtlich!

Es war eine ungewohnte Perspektive, auf ihn hinab zu schauen, und der Blickwinkel gefiel ihr.

Es gefiel ihr auch, dass nur sie diesen Gedanken hatte, dass sie Max voraus war, denn der hatte noch nicht verstanden, was hier gerade passierte, und dass die Stille Jules nicht daher rührte, dass sie seine Massage genoss, sondern die neue Hierarchie, die sich hier zart andeutete. Es hatte sich noch nicht zu ihm herumgesprochen, dass eine neue Königin ihre Herrschaft angetreten hatte.

Wenn Max auch noch nicht auf der richtigen Fährte war, so kann man ihm zumindest nicht vorwerfen, dass er nicht bei der Sache war. Er hatte sich ein Herz genommen und seine Finger waren nun mutiger, drückten beherzter zu und das in einer Mischung aus Streicheleinheiten und dem, was er glaubte, das zu einer Massage gehörte, und nun fand er selbst Gefallen daran und verstand auch, dass er vielleicht bei ihren Füßen anfangen müsste, aber dass der Weg woanders enden könnte. Vielleicht hatte er eine Absicht in Aussicht gestellt bekommen, die spannender war als seine Videospiele.

„Ist das so in Ordnung?“

Er sah fragend zu ihr auf, und Jules Herz blieb einen Augenblick stehen. Wie er zu ihr hinaufschaute und sie zu ihm hinab! Es war ein unschuldiger Blick, aber einer, der so unglaublich süß aussah und sich so unglaublich richtig anfühlte. Dass ihr das erst jetzt aufgefallen war!

Meine Güte!, dachte sie auf der anderen Seite. Er musste das doch auch langsam verstehen!

Aber Max war noch mit seinem miesen Tag beschäftigt, mit dem Stress und den Dingen, die nicht geklappt hatten, den Kommentaren seiner Kollegen und diesem ganzen Scheiß. Und dann musste er noch herausfinden, wie Fußmassagen funktionierten. Es war alles nicht einfach für ihn.

Jule musste also deutlicher werden, und begann ihm kleine Anweisungen zu geben: „Auch zwischen den Zehen bitte! Da sitzen die Reflexzonen, weißt du?“

Sie hatte keine Ahnung, aber es klang kompetent und Max nickte und sein Zeigefinger drang in den Zwischenraum ihrer Zehen ein und massierte sie dort.

„Aua! Vorsichtig!“, meinte sie streng, als er ihren kleinen Zeh etwas zu rabiat anfasste.

„Tut mir leid!“

Er sah sie an und da war wieder dieser Blick, und vielleicht begann er nun langsam zu verstehen, was hier gespielt wurde, denn er senkte seinen Kopf und drückte einen zarten Kuss auf ihren kleinen Zeh.

„Besser?“

„Viel besser! Meine Füße zu küssen, das klappt schon ganz gut!“ Jetzt musste er es doch langsam verstehen! Sie gab nun mehr Befehle:

„Auch unter dem Fuß. Aber Vorsicht, dass du mich nicht kitzelst!“

Er machte sich an die Arbeit, und Jule ermahnte ihn einmal streng, dass er sich an ihre Worte halten sollte, und Max entschuldigte sich sofort pflichtbewusst.

Schließlich kam er zu dem Ergebnis, dass er mit dem einen Fuß fertig war und platzierte noch einen sanften Kuss auf den rechten Fuß.

„Und jetzt den anderen!“

„Gerne! Du machst das gut!“

„Kannst du die Beine vielleicht anders überschlagen? Dass ich besser drankomme?“

„Ich sitze hier gerade so schön. Du kommst doch bestimmt auch so dran oder?“

„Natürlich“, meinte Max und beugte sich noch tiefer, als würde er Jule anbeten, als würde er ihr zu Füßen liegen, obwohl er das ja auch wirklich tat, um sich ihrem linken Fuß zu widmen.

Und ihr Herz schlug noch schneller.

„Du bist wirklich lieb, wie du dich um mich kümmerst! Das solltest du eigentlich öfter machen.“

Sie beugte sich vor und kraulte seinen Kopf wie den eines kleinen Schoßtieres, und nachdem er sich auch um ihren linken Fuß gekümmert hatte, zog sie seinen Kopf zu sich hinauf und gab ihm einen leidenschaftlichen, langen Kuss.

Und sie bemerkte genau, mit welcher Leidenschaft er darauf reagierte, und dass, obwohl er immer noch vor ihr auf dem Boden hockte und seinen Kopf sicherlich nicht angenehm strecken musste, um ihren Kuss zu erwidern. Aber er war bereit, ein wenig zu leiden. Jule wusste nicht, ob Max schon vollkommen begriffen hatte, was hier gerade passierte, und hätte man Max gefragt, er hätte es vielleicht nur geahnt, aber er spielte mit. Er begann zu verstehen, was sich hier gerade ereignet hatte.

Diese etwas fremde, neue Form der Beziehung hielt sich den ganzen Abend über. Als sie zusammen kochten und aßen und vor allem, als sie die Nacht zusammen verbrachten und Max sich immer noch um Jule bemühte, und zum zweiten Mal an diesem Tag schaute sie auf ihn herab, als Max zwischen ihren Schenkeln lag und mit seinen Lippen Jules Unterleib liebkoste.

Es war etwas anders bei diesem Mal. Jule und Max hatten schon oft Sex gehabt und er hatte sie schon oft berührt, aber dieses Mal fühlten sich seine Berührungen anders an, intensiver, bedeutsamer, irgendwie anders. Dabei stellte Max sich nicht anders an, dem war es vielleicht nicht einmal mehr bewusst, aber seine Berührungen kamen bei Jule anders an, sie empfand sie anders, als hätte sich in ihr etwas verändert, als hätte sie das Gefühl, seine Berührungen wären sich dem gestiegenen Wert bewusst des Körpers, den er berührte. Und das fand sie umso schöner, umso erregender.

Die beiden hatten seit langem den besten Sex in dieser Nacht. Leidenschaftlich und ehrlich und immer wieder, wenn auch nur spielerisch und beiläufig geprägt von Jules subtiler Führung. Mal entzog sie sich ihm, dann gab sie sich seinen Berührungen hin. Außerdem äußerte sie sehr deutlich ihre Wünsche, und diese Befehle lauteten beispielsweise:

„Saug an meiner Brust! Aber ganz vorsichtig! Wehe, bist nicht zart genug! Wehe du tust mir weh!“

Max gehorchte, zumindest einigermaßen. Als er beispielsweise nicht aufhören wollte, an ihrer Brustwarze zu saugen, griff Jule zwischen seine Beine, legte ihre Faust um seine Hoden und begann sie ein wenig zu schließen. Es war nur eine Geste, aber Max hielt augenblicklich inne und sah sie an. Doch Jule grinste nur und meinte:

„Wenn du nicht gehorchst…“

Max nickte.

Schließlich dirigierte sie Max wieder zwischen ihre Schenkel und ließ sich von ihm dort unten befriedigen. Sie musste ihm keine Anweisungen geben. Er wusste, was er tat. Es war nicht das erste Mal, aber ob es nun an der Situation lag oder daran, dass er sich besondere Mühe gab, Jule kamen die Höhepunkte intensiver vor. Wahrhaftiger, bedeutsamer als in den letzten Monaten.

Erst als sie zufrieden war, dirigierte sie ihn hoch, ließ ihn in sich eindringen und ließ ihr Becken langsam kreisen.

„Langsam. Und ich bestimme. Verstanden?“

Er nickte.

„Sag’s!“

„Du bestimmst. Verstanden!“

Sie ließ ihn seinen Rhythmus finden. Lange brauchte er nicht, um den Pfad zu seinem Höhepunkt einzuschlagen. Max hatte mittlerweile definitiv verstanden, wo es hinging, was hier passierte. Die neu gefundene Stärke seiner Freundin, machte ihn unglaublich an. Wir werden später noch erfahren, dass all das, was Jule an diesem Abend anstieß, eine Vorgeschichte hatte, aber es war eine getrennte Vorgeschichte von Max und Jule, der ein Nebeneinanderschweigen voraus gegangen war.

Als Jule das Gefühl hatte, dass er nah an seinen Höhepunkt kam, befahl sie ihm innezuhalten. Sie sahen sich in die Augen und Max nickte.

„Langsam!“, zischte sie, und Max ließ seine Hüften wieder bewegen bis Jule ihn erneut stoppte.

„Was machst du mit mir?“, keuchte er frustriert, als sie ihn wieder stoppte. Jule grinste überlegen.

„Gefällt’s dir nicht?“

Doch… nein! Auf jeden Fall, aber bitte, lass mich doch bitte kommen!“

Dieses Gestammel drückte Max Zerrissenheit, wenn auch nicht wortgewaltig, dann doch sehr zutreffend aus.

Jule wusste auch, dass sie das Spiel nicht mehr lange würde spielen können. Deshalb ließ sie ihn beim nächsten Mal gewähren, und sie befahl ihm nur, sie anzusehen, als er kam. Während sein Höhepunkt sich aufbaute, musste er einige Male ermahnt werden, sich für seinen Orgasmus nicht in sich zurückzuziehen, und schließlich kam er mit einem lauten, animalischen Grunzen, das Jule noch nie gehört hatte, und er schaute ihr in die Augen und sie ihm und beide hatten das Gefühl, dass sie tief in ihre Seelen schauen konnten. Es war fast schon furchterregend. Vor allem Max hatte das Gefühl, dass Jule tief in ihn blicken konnte in diesem Augenblick und Dinge sah, die er ihr bisher nie offenbart hatte.

Ein wenig machte Jule sich Sorgen, was die Nachbarn denken mochten. Aber mehr noch freute sie sich mit ihm für seinen besonderen Höhepunkt und ihren eigenen natürlich auch.

Die Beiden blieben noch eine Weile nebeneinander liegen und schwiegen, bis Max schließlich die Stille brach und fragte:

„Was ist da gerade passiert?“

„War gut, nicht wahr?“

„Total.“

„Hat mir auch gefallen. Meinst du, wir sollten sowas öfter machen?“

„Vielleicht sogar immer?“

„Wirklich?“ Jule war überrascht über dieses Angebot, das ja scheinbar aus dem Nichts kam. „Immer ist aber verdammt oft.“

„Wenn du willst, dann kannst du beim Sex immer meine Herrin sein.“

„Immer ist ja Quatsch. Weißt du, was du da gerade vorschlägst?“

„Keine Ahnung. Ich weiß nur, dass ich das will. Du willst es auch oder nicht? Du bist doch auch abgegangen wie Schmitz Katze. Aber wir versuchen das einfach mal, und wenn es uns nicht gefällt, dann lassen wir es wieder. Sollte kein Problem sein, finde ich.“

„Ich wusste gar nicht, dass du so sehr darauf abfährst!“

„So richtig wusste ich das bisher auch nicht. Also schon ein wenig. Aber du hast diese Seite an dir, die ich noch nie so gespürt habe, verstehst du?“

„Du meinst als nerviges Miststück?“

„So würde ich das nicht sagen.“

„Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich versuche, mein inneres Miststück im Zaum zu halten!“

„Wie gesagt, ich würde es nicht so nennen. Du bist ja kein Miststück. Du weißt halt, was du willst.“

„Wie eine Diva?“

„Ja, aber wie eine nette.“

„Sowas gibt’s nicht. Ich weiß nur, dass man mir früher immer vorgeworfen hat, ich wäre zu arschig zu anderen.“

„Ist ja auch egal. Aber lass uns das mal versuchen, wenn du willst. Und wie gesagt, wenn es uns nicht gefällt, dann machen wir halt wieder Routine.“

Vielleicht ist dieses Gespräch zwischen den beiden äußerst naiv. „Für immer“ ist natürlich leichtsinnig daher gesagt. Aber beide hatten keine Ahnung, was das eigentlich bedeutete, und vielleicht hatten beide auch ganz unterschiedliche Vorstellungen davon, was sie eigentlich wollten. Das einzige, worin sie sich einig waren, war, dass sie diesen Abend beide immens genossen hatten und dass sie einander vertrauten und liebten, und das ist ja schon eine ganze Menge!

Natürlich kam das alles nicht so ganz unverhofft und aus dem Nichts. Für unsere Geschichte wichtig ist ein Ereignis, das sich zwei Monate zuvor ereignet hatte. Von dem sollten wir im nächsten Kapitel erfahren.

2 Kapitel

Es war noch nicht so lange her. Da hatten sie einen Wochenendtrip mit dem Zug nach Paris gemacht. Es war eine schöne Zeit gewesen. Romantisch trotz der ganzen Touristen und eine lang ersehnte und wohlverdiente Erholung, denn beide hatten viel Stress gehabt in der Arbeit.

Auf der Rückfahrt saßen sie nebeneinander in einem vollbesetzten TGV, erschöpft, aber zufrieden und zusammen schauten sie sich auf Max iPad einen Film auf Netflix an und teilten sich die Ohrstöpsel. Da kam diese Szene, in der eine Frau einen Mann ans Bett fesselte und auf ihm ritt. Er war richtig muskulös und sie schlank und kurvig, beide superattraktiv, weiße Laken. Nichts mit Lack und Leder und so. Sie gingen richtig zur Sache. Aus dem Nichts quasi. Es war ihnen peinlich, dass sie da plötzlich in solch eine Sexszene gerutscht waren. Genauer gesagt, muss man sagen, dass Max peinlicher berührt war als Jule, die sich weniger Gedanken machte. Max schaute sich nervös um, ob irgendwer in dem vollbesetzten Zug mitbekam, was sie sich da ansahen. Jule scherzte, dass Franzosen für sowas bestimmt offener waren.

„Gefällt’s dir denn?“, hauchte sie ihm zu und streckte ihm ihre Zunge ins Ohr.

„Sehr!“ meinte er, erschrak etwas über die plötzliche Zuneigung.

„Stellst du dir gerade vor, wie ich dich ans Bett fessele und mit dir mache, was ich will?“, säuselte sie.

„Das wäre so heiß!“

Sie streichelte seinen Oberschenkel und wanderte höher, während Max in seinem Sitz rutschte.

„Oh, freust du dich mich zu sehen?“, hauchte sie, als sie in seinem Schritt angekommen war. Darauf antwortete er ganz nebenbei und ohne groß nachzudenken etwas, das Jule lange im Kopf behalten sollte.

„Nein, das ist der Dildo, den ich gerade noch besorgt habe!“

„Wofür brauche ich einen Dildo, wenn ich dich doch habe?“

„Vielleicht ist der ja gar nicht für dich.“

„Was?“ Jule musste kichern. „Du bist mir ja einer! Das wusste ich ja noch gar nicht!“

„War ein Scherz!“, ruderte er ein wenig zurück.

„Wirklich?“

Max lächelte ein bisschen unsicher, und Jule war etwas verwirrt, wollte das Gespräch auch nicht weiterführen, daher sagte sie nur: „Da freue ich mich schon drauf!“

Sie streichelte ihn weiter, obwohl es Max sichtlich unangenehm war, wie sie ihn in der Öffentlichkeit so berührte. Aber sie war noch nicht fertig, setzte noch einen drauf: „Tust du mir einen Gefallen und holst mir einen Kaffee aus dem Bistrowagen?“, fragte sie ganz süß und unschuldig.

„Gerne, aber ich glaube, die Dinge müssen sich erst ein wenig beruhigen.“

„Ich möchte aber, dass du genau jetzt gehst. So ganz unberuhigt, verstehst du?“

„Ich glaube, ich habe keine französischen Euros mehr.“

„Soll ich dir ein paar von meinen geben? Mit der Frau drauf, die ihre Titten so raushängen lässt, während sie die Revolution ausruft?“

„Was ist in dich gefahren?“, fragte er erstaunt.

Er sah sich wieder um, und Jule genoss sein Unbehagen.

„Komm schon, tu es für mich!“

Sie hätte es verstanden, wenn er es nicht gemacht hätte, aber Max schlüpfte aus seinem Sitz und hielt sich mehr oder weniger dezent seinen Pullover vor den Schritt.

Bevor er ging, beugte er sich aber noch einmal zu Jule und flüsterte:

„Ja Herrin!“

Diese zwei Wörter gingen ihr nicht mehr aus dem Sinn. Es klang so verdammt sexy!

Aber es blieb bei den zwei Wörtern.

Nach dem Wochenende fraß sie wieder die Routine auf. Max kehrte zurück in sein Unternehmen, in dem die Server nicht liefen und die Programme sich miteinander im Krieg befanden und Dutzende von Mitarbeitern bei ihm anriefen, um sich zu beschweren, dass sie nicht drucken oder nicht ins Internet konnten. Er wusste nicht, wo er anfangen sollte und arbeitete manchmal bis spät in die Nacht, weil das die beste Zeit war, um ungestört wenigstens ein paar Probleme zu lösen. In der Hoffnung, dass am nächsten Tag die Virenscanner nicht das gesamte Internet blockierten.

Max war ziemlich unverhofft an eine Stelle gekommen, die viel Prestige versprach, aber sich als vergiftetes Geschenk herausstellte, weil die Aufgabe nicht zu bewältigen war.

Max war Leiter der IT in einem mittleren Unternehmen. Klang gut, aber es war eine Aufgabe, der Max absolut nicht gewachsen war. Fairerweise muss man sagen, dass diese Aufgabe auch die besten niedergezwungen hätte. Denn das Unternehmen, in dem er arbeitete, war einfach vollkommen abenteuerlich organisiert, und Max Stärke lag nicht im strategischen Denken, sondern eher am Schrauben an Rechnern. Aber das war eben nicht mehr seine primäre Aufgabe. Seine primäre Aufgabe bestand darin, ein wackeliges System am Laufen zu erhalten.

Es war frustrierend, und Jule hatte durchaus Mitleid mit ihm und ließ ihn in Ruhe, und so fanden sich die Beiden wieder in der Routine.

Jule hatte ihm wiederholt nahegelegt, einfach die Sachen hinzuschmeißen und zu kündigen, aber so war Max nicht gestrickt.

Löblich, aber lächerlich.

„Ja, Herrin!“ verblasste also zu einer vagen Erinnerung.

Max schien es gar vergessen zu haben. Einmal machte Jule einen Scherz, der auf „Ja, Herrin!“ endete, aber Max sprang nicht drauf an. Vielleicht war es schlechtes Timing von ihrer Seite gewesen. Es war jedenfalls ein Testballon gewesen, der sein Ziel nicht erreichte.

Es nagte jedenfalls an ihr, und sie konnte es nicht für sich behalten.

So fand sie sich irgendwann in einem Gespräch mit ihrer großen Schwester Leonie und erzählte ihr, was sie beschäftigte.

„Naja, irgendwie hat uns die Routine schon eingeholt.“

„Wie, schon nach sechs Monaten?“

„Ist doch auch normal. Wir streicheln nicht mehr jeden Tag Einhörner und tanzen unter dem Regenbogen. Ist ja auch normal. Wir haben beide stressige Jobs. Vor allem Max. Weißt du ja besser als ich.“

Leonie nickte erst, meinte dann aber gespielt bestürzt:

„Wirklich? Tote Routine? Jetzt schon?“

„Jetzt mach nicht so eine große Sache draus! So ist das halt, wenn man zusammenlebt. Zahnpasta und Klodeckel halt. Kleinigkeiten.“

„Pinkelt er etwa im Stehen?“

Leonie konnte ein Miststück sein, sie wusste das auch, und sie hatte Spaß, ihre kleine Schwester aufzuziehen und diese beiläufige Bemerkung zu einer großen Sache aufzub*asen.

„Nein, tut er nicht! Und ich bereue jetzt schon, dass ich das gesagt habe! Vergiss es einfach! Themenwechsel! Wie findest du das Wetter? Ist es nur warm oder ist das Klimawandel?“

„Wenn das so einfach wäre!“, seufzte Leonie. „Dir ist schon klar, dass ich eine besondere Verantwortung habe für euch beiden Turteltauben.“

Jule verdrehte innerlich die Augen. Sie konnte es nicht mehr hören. Nur weil ihre Schwester Max und sie verkuppelt hatte!

„Willst du meinen Rat?“

„Für meine Beziehung? Von dir? Du meinst von meiner Schwester, die keine Beziehung halten kann, die länger dauert als ein One-Night-Stand?“

„Aua! Das tat weh! Und das von meiner geliebten kleinen Schwester!“

Jule antwortete zuerst nicht, um ihre Distanz zu zeigen, stattdessen nippte sie stumm an ihrem Latte Macchiato. Aber schließlich meinte sie: „Dann lass mal hören, was deine Weisheit zu bieten hat!“

Leonie grinste. „Angebot und Nachfrage.“

„Was soll das denn heißen?“

„Es geht um Angebot und Nachfrage. Wie in der Wirtschaft. Er will dich, du willst ihn. Aber wenn er dich immer haben kann, dann hast du eben keinen Wert für ihn. Du musst dich einfach teurer machen. Dann bemüht er sich mehr um dich.“

„Das ist dein Rat? Ich muss mich teurer machen? Angebot und Nachfrage? Und da wunderst du dich, dass ich nie auf dich höre? Ich bin doch kein Flittchen! Ich bin doch keine N*tte!“

„Genau. Du musst das Gegenteil werden. Was Kostbares, um das man sich bemühen muss. Er muss dich richtig wollen. Und dafür musst du dich ein wenig rar machen. Deine kleine, du weißt schon“, sie zeigte in Jules Schritt und Jule verdrehte die Augen. „…seltener anbieten, als er sie haben will. Du wirst sehen, er wird dir aus der Hand fressen!“

Leonie grinste und Jule sah sie ungläubig an.

„Du musst einfach die Kontrolle übernehmen. Eine Beziehung läuft nicht von allein. Wenn du was von ihm willst, dann musst du ihm sagen, was du willst.“

Jule verzog das Gesicht: „Sagt diejenige, die es nicht schafft, einen Typen für 24 Stunden zu halten.“

„Aber nur, weil ich das nicht will! Ich kenne halt Männer, und die sind gerade mal eine Nacht lang zu ertragen! Danach muss man sie loswerden! Du siehst ja, was passiert, wenn man zusammenzieht und eine ernsthafte Beziehung beginnt. Man geht sich auf den Keks.“

Die beiden Schwestern mussten nun lachen. Auch wenn Jule nicht zustimmte, musste sie zugeben, dass das Leonies Einstellung ziemlich gut zusammenfasste.

„Du willst deinen Max behalten. Da musst du dich ein wenig bemühen, und er auch. Aber er bemüht sich gerne, wenn du ihm deine Kostbarkeiten ein wenig vorenthältst.“

„Deine Sprache ist creepy! Du willst, dass ich so ein kleines Arsch werde! Erinnerst du dich an Mike, der hat mich verlassen, weil ich ihm zu schwierig war. Weißt du, wie lange ich an mir gearbeitet habe, um entspannter zu werden, meinen Willen nicht immer durchzusetzen und mehr zen zu werden?

„Mike hat dich verlassen, weil er ein Idiot ist. Du bist viel zu gut für ihn.“

„Ist das ein Kompliment? Von meiner eigenen Schwester? Das ist ja süß. Und wie ist dein Urteil über Max? Ist der auch ein Idiot?“

„Da fragst du die richtige, ich habe euch verkuppelt. Ihr passt total gut zusammen, ihr seid süß zusammen!“

„Nett, dass du das sagst, aber ich soll trotzdem arschiger werden.“

„Du sollst ihn einfach ein wenig an die Hand nehmen. Das fällt dir doch nicht schwer. Als Kind warst du ständig störrisch und zickig. Meinungsstark, du erinnerst dich!“

Meinungsstark, so hatte es Jules Grundschullehrerin mal nett ausgedrückt, und der Begriff war hängen geblieben, zu einem geflügelten Wort geworden, das man benutzte, wenn Jule mal wieder ausflippte und sich wie ein mieses Miststück benahm.

„Ich soll also wieder meinungsstärker werden.“

Leonie hob abwehrend die Hände: „Aber bitte nur in deiner Beziehung.“

„Denk drüber nach!“, meinte Leonie, als sie sich verabschiedeten.

„Ganz bestimmt nicht!“

Aber natürlich tat Jule es doch.

In der Straßenbahn auf dem Weg nachhause gingen ihre Gedanken immer wieder zurück zu: „Ja, Herrin!“

Es waren diese beiden Ereignisse, die Jule schließlich dazu bewegten, das Heft des Handels zu ergreifen und etwas zu unternehmen.

3 Kapitel

Wir gehen wieder zurück zum Beginn der Geschichte. Jule war unverhofft zur Herrin geworden. Sie genoss das Gefühl. Sie genoss es mehr, als sie erwartet hatte. Ein dunkles Gefühl, eines, das ihr auch ein wenig Angst machte. Sie fühlte sich mächtig und begehrenswert. Alles Sachen, die gar nicht mehr in waren.

Aber wie weiter? Wenn sie nachhause kam, was würde dann passieren? Musste sie jetzt Peitschen und Rohrstöcke besorgen? Noch auf dem Weg zur Arbeit suchte sie mit ihrem Handy auf Amazon und fand auch allerlei Sexspielzeug. Aber sie legte nichts in ihren Warenkorb. Sie war einfach ein wenig ratlos, wie sie mit Max weiterhin umgehen sollte. Am Ende kam sie zu dem Schluss, dass sich diese Sachen schon irgendwie klären würden, und sie sich keine großen Gedanken machen müsste.

Nun, vielleicht ist es an dieser Stelle interessant, sich anzusehen, wie Max diese Sache aufnahm.

Es war nämlich nicht so, dass er vollkommen überrascht war von dem vergangenen Abend. Es war auch nicht so, dass er sein „Ja, Herrin!“ im Zug komplett vergessen hatte.

Ganz im Gegenteil. Es hatte ihn durchaus beschäftigt, und es hatte ihn auch total heiß gemacht.

Er war vielleicht sogar einen Schritt weiter als Jule, war nicht nur interessiert an kleinen Rollenspielchen, sondern wollte… Genau wusste er es auch nicht. Viel war vorstellbar, aber alles hätte Konsequenzen, und er war sich nicht sicher, welche das waren und ob er die auch wollte.

Denn schließlich kratzte das irgendwie an seiner Männlichkeit. Wenn seine Freundin plötzlich seine Herrin würde. Was bedeutete das? Es war geil, aber auch irgendwie… er wusste es nicht.

Was würde es bedeuten, dass sie das Sagen hatte? Keine Videospiele mehr, nur noch Seifenopern im Fernsehen? Hatte er Lust an irgendwelchen Hundeleinen in Lederharnischen durch die Gegend gezerrt zu werden? Er musste an den Typen aus Pulp Fiction denken, der in einem Keller in Ledermontur angebunden war. Sowas wollte er nicht. Es gab einen Haufen, was er nicht wollte. Aber auch einen noch größeren Haufen, was er definitiv wollte.

Eine schwierige Situation. So schwierig, dass er vielleicht sogar ein wenig bereute, „Ja, Herrin“ gesagt zu haben. Obwohl er es natürlich doch wollte.

Wäre Amazon ein richtiges Kaufhaus, Max und Jule wären sich vielleicht am Regal bei den Reitgerten, den Augenbinden und den Handschellen begegnet. Max packte jedenfalls seinen Warenkorb voller Kram aus Plastik und Kunstleder, traute sich dann aber doch nicht, es auch mit einem weiteren Klick zu kaufen. Sein ganzer Tag, zumindest jede freie Minute, drehte sich um Jule, und er konnte es nicht erwarten, bis Jule nachhause kam und wie es weiterging.

Als sich Jules Schlüssel im Schloss drehte, war alles vorbereitet. Der Sekt stand kalt. Eine einzelne rote Rose steckte in einer Vase. Max hatte sogar einen Salat vorbereitet mit dünn geschnittenen Gurken, Tomaten und Mozzarella und kunstvoll drapiertem Balsamico. Angerichtet auf dem großen Geschirr, das sie zum Einzug geschenkt bekommen hatten, aber nie benutzten, weil es nicht in die Spülmaschine passte.

Er hatte in der Drogerie sogar eine Massagecreme besorgt, was ihm ein wenig peinlich war, denn die Verkäuferin hatte ihn komisch angeschaut, als durchschaute sie, was er vorhatte. Als wäre Fußmassagecreme ein deutliches Zeichen für Schweinkram. Im Bad stand der Bottich mit warmem Wasser bereit und ein Stapel weißer Handtücher.

Alles mit Stil.

Alles für Jule.

Sie mochte diesen Salat und das Geschirr und Rosen und Sekt. Es sollte signalisieren, dass ihre Wünsche ganz im Mittelpunkt standen.

Als Jule im Flur stand, war sie ziemlich überrascht, denn Max stürmte aus der Küche heran mit einem Salat, Rose und Sekt auf einem Tablett drapiert.

Es musste putzig ausgesehen haben, denn Jule hatte zwei Einkaufstaschen mit Lebensmitteln in der Hand und war gar nicht auf so etwas gefasst.

„Hallo Schatz!“ Max gab Jule mit seinen vollen Händen einen Kuss auf die Wange, und diese musste mit ihren vollen Händen ihren Körper drehen, damit die Kollision zwischen Tablett und Einkaufstaschen nicht zu einem Chaos führten.

„Wie war dein Tag?“

„Gut…“, Jule fühlte sich überrumpelt. „Und deiner?“

„Großartig! Ein Sekt vielleicht, so als Feierabend-Drink?“

„Kann ich erst die Einkäufe wegräumen?“

„Ich mach das schon. Setz dich einfach!“

„Einverstanden.“

Jule ließ sich auf die Couch fallen, und Max kramte in der Küche.

Schließlich kam er zu ihr und stand etwas unschlüssig herum.

„Nur ein Glas? Trinkst du nichts?“, fragte Jule, die die wenigen Augenblicke genutzt hatte, um zu verstehen, was hier gerade vor sich ging.

„Äh… ich bin nicht durstig.“

„Deine Entscheidung.“

Sie nippte an dem Sektglas und pickte ein paar Tomaten und Mozzarella aus dem Salat. Es wirkte alles etwas seltsam, denn Max stand wie nicht abgeholt da. Aber Jule hatte eine Idee:

„Setz dich her zu mir!“ Sie zeigte auf den Boden zwischen ihre Beine. „Ich will, dass du meine Ehre rettest.“

„Deine Ehre?“

„Stell dir vor, du müsstest mich vor so ein paar von deinen Videospiel-Buddies verteidigen. In deinem ‚Call of Shooty‘.“

„‚Duty‘ heißt das.“

„Wie auch immer. Gewinn einfach ein Spiel für mich.“

„Jetzt?“

„Passt es dir gerade nicht?“

„Doch, natürlich!“

„Dann komm!“ Sie zeigte wieder auf den Boden zwischen ihren Schenkeln. „Verteidige meine Ehre! Wenn du gewinnst, bekommst du eine Belohnung.“

„Und wenn nicht? Bestrafst du mich dann?“

Jule hatte das alles nicht so richtig durchdacht. Sie wollte Max einfach nur eine Freude bereiten. Aber da er nun so enthusiastisch auf die Aussicht einer Strafe reagierte, musste sie antworten:

„Dann nicht. Du solltest die Belohnung als Belohnung sehen. Eine Belohnung ist was Gutes. Aber mir scheint, du würdest eher die Strafe als Belohnung sehen. Aber eine Strafe ist eben eine Strafe und eine Belohnung ist eine Belohnung.“

„Ich versteh kein Wort!“

„Ich glaube, du verstehst mich sehr gut. Wenn die Strafe eigentlich eine Belohnung wäre, dann wäre das alles ja vollkommen sinnlos, was wir hier treiben. Weißt du, was ich meine?“

Max schüttelte den Kopf.

„Naja, das, was wir hier machen, muss ja schon einen Sinn haben. Deshalb streng dich an. Gewinn für mich! Denn die Konsequenzen werden real sein. Ich meine es ernst!“

„Okay!“, meinte Max, aber er verstand nicht, wie ernst es Jule wirklich war. „Was für einen Modus soll ich wählen?“

„Ist mir egal. Du entscheidest. Du kennst dich da besser aus. Nimm das, wo du meine Ehre am besten verteidigen kannst. Aber vorher holst du mir noch die Flasche aus der Küche, ich bin noch durstig.“

„Okay.“

Max spielte den Diener, schüttete Jule Sekt nach. Dann nahm er den Controller, schaltete die Konsole an und setzte sich an dem ihm zugewiesenen Platz auf den Boden vor Jule.

Routiniert klickte er sich durch allerlei Bildschirme, die Jule nicht verstand, bis er schließlich in einem Spiel war. Es interessierte sie zunächst nicht, was da passierte, und sie verstand es auch nicht. Außer dass er durch die Gegend lief und andere Spieler abschoss und manchmal auch abgeschossen wurde.

Sie checkte ihr Instagram und lauschte seinen Reaktionen. Manchmal war er triumphal, manchmal frustriert.

Jule nippte an ihrem Sekt, der ihr etwas mehr zusetzte, als sie das eigentlich geplant hatte. Sie hatte noch nichts gegessen und pickte nur ein paar Stückchen aus dem Salat.

„Wie steht’s?“, fragte sie.

„Ganz gut. Bin Zweiter, aber den Typen vor mir kriege ich, ich habe seine Masche jetzt raus. Der gewinnt nur durch diesen einen miesen Trick!“

„Dann mach ihn fertig. Du weißt, es geht um meine Ehre!“

„Nichts ist mir wichtiger!“

Jule fand das süß, aber ihr Plan war eigentlich ein anderer gewesen, und als Max einen Augenblick später rief „Da! Jetzt bin ich vorne!“, da ging sie ihrerseits zum Angriff über.

Sie streifte sich die Schuhe ab und begann mit ihrem linken Fuß über Max Oberschenkel zu streichen. Lasziv, in eindeutiger Absicht.

Und Max war auch sofort irritiert.

„Was machst du da?“

„Ich will dich nur was motivieren!“

„Das ist keine gute Idee. Du verteilst das Fell des Bären, obwohl die fette Lady noch nicht gesungen hat!“

„Ich weiß nicht, was du meinst. Ich weiß nur, dass deine Belohnung damit was zu tun hat!“

Ihr rechter Fuß spielte nun in seinem Schritt, während ihr Linker immer noch seinen Oberschenkel streichelte. In der rechten Hand hielt sie ihr Sektglas und mit der linken strich sie über seine Haare.

„F*ck!“, rief er frustriert. „Das ist nicht gerade hilfreich, was du tust!“

„Ich will dich doch nur motivieren.“, säuselte sie. „Wie kann das nicht hilfreich sein?“

Es war es nicht.

Absolut nicht.

Es machte Max wahnsinnig. Er musste sich konzentrieren, brauchte Reflexe. Stattdessen tanzte sie mit ihrem Fuß Tango in seinem Schritt. Er spürte, wie sein Blut sich aus seinem Hirn verzog, weil es anderswo spannender war. Sein ganzes blutrotes Testosteron, das er brauchte, um seine Gegner zu jagen, wie so ein Krieger, das wandelte sich in flauschiges Pink zwischen seinen Beinen.

Popp, da war er tot. Noch bevor er wusste, was geschehen war. Jule machte weiter, säuselte mit dieser ultrasüßen Stimme in sein Ohr und verhieß ihm sowas wie das Paradies. Wer konnte da noch Krieger sein?

Zip, schon wieder. Und auch noch geknived. Die größte Demütigung, die man erleben konnte. Dass der Gegner so nah an einen rankam, dass man erstochen und nicht aus der Distanz erschossen wurde. Sie machte das alles absichtlich! Nur um ihm zu zeigen, was sie mit ihm machen konnte!

Er hasste es, und er liebte es.

Es war genau das, was er wollte.

„Scheiße!“

„Verdammt!“

„Dieser Wichser!“

Jule zählte die Frustration mit.

Erster war er jedenfalls nicht mehr!

Max strengte sich nun an, aber er war verkrampft, fiel immer mehr zurück, die Zeit verrann, und alles, was Jule tun musste, war ein wenig mit ihren weiblichen Reizen zu spielen.

Es war ein Klacks.

Am Ende hatte sie gar ein wenig Mitleid mit ihm, und für einen Moment überlegte sie, ob sie das Ganze nicht abb*asen sollte mit der Verweigerung seiner Belohnung. Aber sie entschied sich dazu konsequent zu bleiben.

„Tut mir echt leid für dich! Aber vielmehr noch für mich, dass meine Ehre jetzt im Dreck liegt. So richtig eingesetzt hast du dich dann doch nicht für mich! Ist schon ein bisschen eine Enttäuschung.“

Max grummelte nur etwas Unverständliches. Gerne hätte er etwas gesagt. Die Wörter ‚unfair‘, ‚Verrat‘, ‚Sabotage‘ und ‚Dolchstoß‘ lagen ihm auf der Zunge. Aber er entschied sich rechtzeitig und klug dafür, alle für sich zu behalten.

Stattdessen sah er zu, wie Jule ihren Sekt exte, sich dann zu ihm hinabbeugte, sein Kinn zu sich zog, und ihm einen kräftigen Kuss gab und dabei den Sekt in seinen Mund fließen ließ. So unerwartet, dass das klebrige Zeugs ihm das Kinn hinablief.

Aber das war vollkommen egal in diesem Moment.

Doch als er sich umdrehte und sie umarmen wollte, da entzog Jule sich ihm.

„Ein Kuss als Trostpflaster! Das ist alles, kein Sieg, keine Belohnung! Im Gegenteil, wie angedroht, kommt jetzt die wohlverdiente Strafe.“

Damit stand sie auf, um aufs Klo zu verschwinden. Während sie da ein wenig abkühlte, dachte sie sich, dass das alles irgendwie komplizierter war als gedacht. Und härter. Denn sie täte in diesem Moment nichts lieber, als sich mit Max auf dem Boden zu wälzen und über ihn herzufallen, sich an ihm zu vergehen, ihn sich richtig zur Brust zu nehmen.

Aber sie konnte nicht. Weil sie ja jetzt die Herrin war. Da musste sie konsequent sein und selbstbeherrscht und herrisch.

Nur wenige Schritte weiter war Max ganz genauso frustriert. Aber er nahm es besser auf, sportlicher. Das musste man ihm lassen. Er verstand, dass das die Spielregeln waren. Es war genau das, was er wollte. Nun, nicht genau das. Aber es gehörte eben dazu. Dass sein Sexleben nicht mehr in seiner Hand war, sondern in ihrer. Dass sie jetzt bestimmte und dass es um ihren Willen und ihre Launen ging. Er mochte es nicht, aber er konnte damit leben.

Musste er ja wohl.

Als Jule aus dem Bad kam, sahen die beiden sich an. Etwas war anders als sonst, aber Jule überspielte das schnell.

„Du kümmerst dich ums Abendessen. Als Strafe quasi.“

„Okay.“ Max zückte sein Telefon. „Chinesisch oder Pizza?“

„Ich finde, zur Strafe solltest du selbst kochen.“

„Willst du das wirklich? Du solltest dir das noch einmal überlegen. Wenn ich koche, dann ist das eine Strafe für uns beide.“

„Ja, dann wirst du es jetzt lernen. Ich bring’s dir bei. Wird ja auch Zeit.“

So setzte Jule sich an den Küchentisch und dirigierte Max, Pasta zu machen, der Salat war ja schon fertig. Fairerweise muss man sagen, dass das Ganze für Max nicht neu war. Nudeln kochen, Zwiebeln und Paprika schneiden, eine Dose Thunfisch und ein Glas Tomatensauce. Das war alles kein Hexenwerk, und auch Jule war keine großartige Köchin. Die Latte hing also nicht so wahnsinnig hoch.

Aber die beiden hatten viel Spaß dabei. Jule kommandierte ihn spielerisch herum, Max gab sich ganz demütig und sagte stets „Ja, Herrin!“ und „Danke, Herrin!“ und „Sehr wohl, Herrin!“

Es hatte nicht richtig was mit Dominanz zu tun, sondern mit Freundschaft und Zuneigung, und beide wussten das auch und genossen es. Es war neu, so hatten sie noch nie miteinander geredet, aber es fühlte sich ganz vertraut und natürlich an.

Trotz all der sexuellen Spannungen, die ja ziemlich verständlich waren, hatten die beiden dann doch ein relativ normales Abendessen. Nur einmal kam ihre Beziehung zur Sprache, als sie bereits im Bett lagen.

„Was ist jetzt eigentlich meine Strafe?“

„Dass du sauber bleibst wie eine kleine Jungfer, so lange ich das will.“

„Und wie lange soll das sein?“

„Ich habe eine kleine Uhr in meinem Kopf. Die macht ticktock. Und weißt du, was passierst, wenn du mich mit solchen Fragen nervst?“

„Keine Ahnung.“

„Dann setzt die aus, und es dauert länger, bis ich dich wieder ranlasse.“

„Das ist aber irgendwie ungerecht.“

„So ist das Leben. Und vor allem deins wird von jetzt an voller Ungerechtigkeit sein!“ Jule grinste. „Das ist es doch, was du wolltest, oder nicht?“

„Irgendwie schon.“

„Im Moment musst du einfach nur geduldig sein und mir vertrauen.“

„Okay, dann mache ich das. Aber nicht, dass du mich vergisst.“

„Keine Sorge, wird nicht passieren.“

„Und was, wenn ich dich so richtig subtil erinnere?“

„Schatz, wenn du eins nicht bist, dann subtil. Lass es also, du gehst mir damit nur auf die Nerven, und dann setzt die Uhr aus.“

„Und wie sieht es aus, wenn nicht ich dich erinnere, sondern jemand anders?“

„Wen willst du denn in unser kleines Spielchen einweihen? Wem möchtest du bitte beichten, dass ich deine Herrin bin und das Sagen habe?“

„Vielleicht hast du recht.“

„Ich glaube, das sollte die Essenz aus unserem Gespräch sein. Dass ich Recht habe. Und wenn wir das beide verinnerlichen, dann steht unserer gemeinsamen Zukunft nichts im Weg! Was sagst du dazu?“

„Okay, Herrin.“

„Das sind die Worte, die ich hören will! Und jetzt Schluss mit dem Thema, sonst werden wir beide erst wieder 2038 miteinander… verkehren.“

„Alles klar! Und vielen Dank auch!“

Max beugte sich noch einmal zu Jule, um ihr einen Kuss zu geben, dann rollte er sich auf seine Seite des Betts.

Jule war sich ziemlich sicher, dass er nicht sofort einschlafen würde, dass die Gedanken über die neue Situation ihn umtrieben. Aber da täuschte sie sich. Max schlief ziemlich bald ziemlich zufrieden ein. Er hatte alles, was er sich gewünscht hatte.

Jule hingegen war noch eine Weile mit der neuen Situation beschäftigt. Ihre letzten Worten waren natürlich nicht ernst gemeint gewesen. Ganz im Gegenteil. Sie bildete sich nicht ein, alles unter Kontrolle zu haben. Sie war nicht unfehlbar oder allwissend. Aber an diesem Morgen hatte sie noch keinen Plan gehabt, was sie mit Max anstellen sollte, und wenn sie nun zurückblickte, dann hatte sie das alles ziemlich erfolgreich, wie sie fand, gewuppt. Improvisation halt. So würde sie das weiter handhaben.

Was morgen wäre, würde sich schon zeigen.

So schlief sie schließlich auch ein.

4 Kapitel

„Warst du schonmal in einer Beziehung, in der einer das Sagen hat und der andere sich unterordnet?“

„Ich glaube, so laufen alle Beziehungen mehr oder weniger ab.“ Leonie nippte an ihrem Kaffee.

„Meinst du wirklich?“

„Es kann nur so laufen. Einer muss der Chef sein und der andere muss damit einverstanden sein. Oder es muss ihm egal sein, dass der andere den Chef spielt. Sonst gibt es nur Streit.“

„Ich glaube, das ist Quatsch, was du da sagst.“

„Als One-Night-Königin hatte ich im letzten Quartal mehr Lover als du in deinem ganzen Leben.“

„Und darauf bist du stolz.“

„Warum nicht?“

„Dann erzähl mal: Bist du bei deinen Dates die Chefin oder die Untergebene?“

„Das wechselt. Das liegt am Typen. Manchmal lasse ich mich gerne erobern und benutzen und so. Manchmal nehme ich den Typen bei der Hand und zeige ihm, wer den Längeren hat.“

Jule seufzte: „Was frage ich dich überhaupt?“

„Was denn?“, ereiferte Leonie sich. „So ist es doch!“

„Na gut. Und was würdest du sagen, ist meistens deine Position?“

„Meine Position? Süße, wenn ich dir hier meine geheimsten Begierden erzähle, dann will ich aber auch deine hören, Schwesterchen. Ist das klar?“

„Jetzt machst du mir Angst. Ich will gar nicht wissen, was du dir so alles vorstellst in deinem One-Night-Kopf. Mir geht’s nur ums Prinzip.“

„Im Prinzip will ich auch nicht von einem schwitzenden, behaarten Typen auf den schmierigen Rücksitz eines alten Mercedes geworfen werden und wie ein wertloses Stück Dreck behandelt werden. Aber Gott, diese Vorstellung, die macht mich manchmal wahnsinnig! Keine Ahnung warum.“

„Deshalb sind das ja deine geheimsten Gedanken. Weil man die nicht mit anderen teilen muss.“

„Ja, aber du hast mit dem Thema angefangen.“

„Weißt du, was das Schlimmste an dieser Phantasie ist?“

„Ich weiß gar nicht, ob ich das wissen will.“

„Es ist auch noch rassistisch. Ich stelle mir vor, dass das so ein grobschlächtiger Araber ist. Der kein Deutsch kann. Jeden Tag in die Mucki-Bude geht. Aber schon Haarausfall hat. Und den Ansatz von einem Schmerbauch.“

„Ich glaube, das ist wirklich rassistisch.“

„Dabei, nur um das klarzustellen:“ Sie machte eine Pause und rief dann laut in das Bistro, obwohl keiner in der Nähe war: „Refugees Welcome!“ Sie schaute sich um, aber niemand nahm Notiz von ihr. „Soviel dazu. Ich weiß auch nicht, wo das herkommt.“

„Ich halte fest, dass du also lieber das wertlose Objekt bist.“

„Kann man so nicht sagen. Ich kann mir genauso gut vorstellen, genau den gleichen Typen im Wald zwischen zwei Bäume zu fesseln und ihm dann den Kopf zu scheren.“

„Wie Samson?“

„Aus der Sesamstraße?“

„Aus der Bibel.“

„Oh“ Leonie lachte. „Ich dachte schon, du wolltest Samson aus der Sesamstraße rasieren. Das wäre richtig abgef*ckt. Nein, mein Araber würde sich gegen seine Fesseln stemmen, und er wäre eingeölt, und ich würde ihm die Klamotten vom Leib reißen und ihm seine Männlichkeit nehmen. Also nicht die zwischen seinen Beinen. Die auf dem Kopf. Zwischen den Beinen die brauche ich ja noch.“

Leonie schwieg und sah Jule erwartungsvoll an.

„Jetzt habe ich dir schon zwei erzählt und du noch nicht mal eine.“

„So genau wollte ich es gar nicht wissen. Aber Max und ich haben auch sowas ähnliches angefangen. Nicht so krass. Aber doch irgendwie.“

„Wirklich? Hast du ihn auch schon irgendwo gefesselt?“

„Wie kommst du darauf, dass ich diejenige bin, die fesselt, und nicht die, die auf den Rücksitz geworfen wird?“

„Weil du dich nicht unterordnen kannst. Du warst als kleines Mädchen schon immer so. Dass du deinen Willen durchsetzen musst.“

„Wirklich?“

„Ja wirklich. Was macht ihr denn für schöne Sachen miteinander?“

„Wir haben gerade erst angefangen. Daher frage ich ja meine sexuell viel erfahrenere Schwester um Rat.“

„Darf ich Vorschläge machen? Was du mit Max veranstalten darfst?“

„Definitiv nicht.“

„Ohne mich wärt ihr gar nicht zusammen.“

Das war in der Tat wahr. Jule und Max hatten sich auf Leonies Geburtstagsparty kennengelernt. Max und Leonie arbeiteten im gleichen Unternehmen. Sie fand ihn süß, wollte aber nichts mit jemandem von der Arbeit anfangen, und so verkuppelte sie Max mit Jule. Ziemlich offensichtlich sogar. Platt und plump. Aber es klappte.

Genau deshalb empfand sie ein Gefühl der Verantwortung den beiden gegenüber.

„Du bist also sowas wie seine Domina?“

„Gott, nein! Wir machen nur so ein paar kleine Spielchen.“

„Zum Beispiel?“

Schon wieder bereute Jule es, das Thema angeschnitten zu haben. Aber mit irgendwem musste sie reden, und ihre Schwester konnte manchmal ganz in Ordnung sein in solchen Sachen. Sie hatte ihr schon das ein oder andere Mal beim Liebeskummer geholfen. Aber sie konnte auch nicht in Ordnung sein. Das war sie in diesem Moment.

„Ich mach dir trotzdem mal eine Liste, was du mit Max anstellen kannst. Einfach nur so. Musst du ja nicht benutzen. Einfach nur, weil er süß ist, und ihr beiden unterstützt gehört.“

Jule meinte, dass sie auf diese Liste verzichten könnte, aber insgesamt hoffte sich schon auf ein paar Inspirationen.

Mit Max lief es derweil ganz ordentlich. Es waren schon ein paar Tage vergangen, an denen Jule nichts mit ihm angefangen hatte, und er bekam langsam den Verdacht, dass sie ihr neues Arrangement nur deshalb vorgeschlagen hatte, um sich ihn vom Hals zu halten. Es wurde frustrierend.

Er hätte natürlich jederzeit die Möglichkeit gehabt, sich mit ein paar Fingerübungen Erleichterung zu verschaffen, aber das wäre Verrat gewesen, und so litt er mehr oder weniger leise und begann zu verstehen, auf was er sich eingelassen hatte. Dass die Tatsache, dass sie seine Herrin war, auch bedeutete, dass er tat, was sie wollte. Und wenn sie nicht wollte, dann geschah auch nichts.

So sehr er auch versucht war, seinen Unmut herauszuschreien darüber, dass ihn das Ganze total wuschig machte, so sehr besann er sich meist doch. Denn Jules Drohung, sie nicht zu nerven, stand immer noch im Raum. Einmal war ihm ein frustrierter Kommentar über die Lippen gekommen, und sie hatte sofort gemeint, dass es gerade Ticktock gemacht hatte und sich seine Bestrafung noch weiter verlängert hätte.

Mit dieser Information konnte er natürlich nichts anfangen, denn er wusste nicht, von wie lange auf wie lange. Es kam ihm aber wie eine Ewigkeit vor.

Dabei sprachen wir gerade mal von drei Tagen. Drei Tagen, in denen nichts zwischen Jule und Max lief. Keine Zeitspanne, die so vollkommen ungewöhnlich war. Plötzlich war es eine Ewigkeit für Max, denn plötzlich wollte er Jule mehr als je zuvor.

Dabei war es noch nicht einmal so, dass Jule ihn vollkommen ignorierte. An einem Abend beispielsweise, schlich sie sich von hinten ans Sofa, als er gerade am Fernsehen war und zog seinen Kopf zu sich und dann säuselte sie wieder mit ihrer verdammt scharfen Stimme:

„Ist es sehr schlimm?“

Sie beugte sich zu ihm, und ihre Lippen waren ganz nah beieinander. Aber sie berührten sich nicht. Max roch ihre Haare, spürte ihre Wärme und sein Verlangen wuchs.

„Es geht schon“, stammelte er. Das klang nicht sehr überzeugend, und er überlegte, ob er noch etwas hinzufügen sollte, bitten sollte, flehen sollte.

Aber Jule erriet seine Gedanken und meinte nur: „Vorsicht! Du solltest dir genau überlegen, was du jetzt sagst!“

Wie kann man nur so gemein sein?, dachte er, aber er verkniff sich die Worte. Sie waren nicht das, was sie hören wollte. Stattdessen versuchte er sie zu umarmen, zu sich zu ziehen, sie zu küssen.

Aber Jule blieb hart: „Finger weg! Setz dich auf deine Hände!“

„Was?“

„Unter die Oberschenkel.“

Natürlich gehorchte er.

Mit ihren Fingerspitzen dirigierte sie sein Kinn zu sich, und sie gab ihm den Hauch eines Kusses.

„Ich weiß, es ist nicht einfach für dich. Aber halte durch! Nur noch ein bisschen! Es wird sich lohnen. Okay?“

Max nickte.

„Sehr gut!“ Damit zog sie sich zurück, und Max blieb reglos sitzen, weil er erwartete, dass sie etwas tat. Eine Überraschung für ihn hatte. Aber dann hörte er einen Augenblick später, wie in der Küche das Geschirr rappelte und sie die Spülmaschine füllte.

Max konnte nichts anderes tun als seufzen. Er beschloss, selbst das Heft in die Hand zu nehmen. Er ließ sich etwas einfallen.

Als Jule am nächsten Morgen aufwachte, hörte sie aus der Dusche Max singen. Max sang nie. Es war laut und es ging: „I said Na… nanananaaa… nanananaaa… nanananaananananananaaa!“

Sie konnte es nicht zuordnen. Aber sie wusste, dass sie das Lied kannte. Sie hatten es sogar zusammen gesungen. Vor einiger Zeit, auf einer 80er oder 90er-Party oder so.

Trotzdem blieb dieses „Nanana“ wie ein verdammter Ohrwurm in ihrem Kopf. Den ganzen Tag. Da war was. Max sang nicht unter der Dusche.

Am Ende rief sie Leonie an.

„Sag mal, kennst du das Lied?“

Sie sang und Leonie stimmte sofort ein.

„Aber wie geht es weiter? Da ist mehr. Max will mir was sagen!“

Sie hatte es noch nicht ausgesprochen, da sang Leonie schon den Rest ins Telefon.

„Don’t you forget about, don’t, don’t, don’t!“

„Ich wusste es! Dieser kleine Halunke!“

„Was denn? Erklär’s mir!“

„Das Lied. Es ist eine verdammte geheime Nachricht! Don’t you forget about me! Ich habe ihm verboten, zu quengeln. Und dann singt der dieses verdammte Lied.“

„Er singt Nananana. Das kannst du ihm nicht vorwerfen. Den Rest hast du dir dazu gedacht.“

„Der versucht mich zu manipulieren!“

„Was erwartest du? Der will von dir gef*ckt werden. Das ist doch super. Ich kann mir gar nicht vorstellen, irgendjemanden so sehr poppen zu wollen, mit dem ich schon seit Jahren rummache. Freu dich doch!“

Jule ärgerte sich ein wenig, aber sie musste anerkennen, dass er sie ausgetrickst hatte.

„Und was machst du jetzt? Bestrafst du ihn?“

„Sollte ich!“

„Nein! Mach es nicht. Mir zuliebe. Das war doch ganz clever von ihm. Komm, gib ihm Gnade!“

„Ich weiß nicht.“

„Für mich! Du weißt, dass es das Richtige ist.“

Es bleibt zu hoffen, dass es nicht Leonies Gnadengesuch bedurft hätte, dass Jule von selbst darauf gekommen wäre.

Als Jule nachhause kam, stand Max in der Küche und pfiff die Melodie.

„Du kannst dir das sparen. Ich habe es verstanden. Nicht sofort und nicht ohne Hilfe. Aber ich habe es verstanden.“

„Und?“

„Und nichts. Clever. Muss ich dir lassen. Aber du spielst mit dem Feuer.“

„Jule, alles für dich! Alles für meine Herrin! Für dich gehe ich sogar durchs Feuer!“

„Ich weiß, und ich weiß es auch zu schätzen, was du für mich tust.“

„Aber?“

Sie antwortete nicht, sondern gab ihm einen Kuss und verschwand. Damit war das Thema für Jule durch. Aber für Max noch lange nicht.

Max hatte noch mehr auf Lager.

Auf der Arbeit schrieb er ihr am nächsten Tag einen Brief eines fingierten Anwalts samt gefakten Logo:

Sehr geehrte Frau Jule Zimmermann,

im Auftrag meines Mandanten und unter Wahrung der mündlichen Vereinbarung zwischen Ihnen beiden, erinnere ich Sie daran, dass mein Mandant immer noch ein Interesse an sexuellen Verkehr mit Ihnen hat unter Konditionen, die Sie qua Ihrer Rolle bestimmen können.

Mein Mandant bekundet, dass dieses Interesse langfristiger Natur ist und mit großer Wahrscheinlichkeit bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben wird. Vermutlich sogar, bis dass der Tod Sie scheidet.

Bitte betrachten Sie dieses Schreiben nicht als Versuch der Nötigung oder einen Bruch Ihrer getroffenen Vereinbarungen zur Verschwiegenheit über die Dauer der Strafe für das verlorene Call of Duty Deathmatch.

Mein Mandant möchte auch an keiner Stelle den Eindruck erwecken, dass diese Niederlage in irgendeiner Form durch Fremdeinwirkung beispielsweise durch sexuelle Sabotage der süßesten Füße der Stadt zustande gekommen ist.

Mein Mandant respektiert Ihre Entscheidungsgewalt und wird sich weiterhin kooperativ zeigen. Dies ist lediglich ein Informationsschreiben seines Anwalts und sollte Sie in keiner Weise negativ erregen.

Hochachtungsvoll

Man muss sagen, dass das durchaus eine riskante Sache war, denn Max konnte nur raten, wie Jule dieses Schreiben aufnehmen sollte. Sie hoffte, dass sie darüber schmunzeln würde. Eigentlich müsste sie das, denn sie schätzte seinen Humor und seine Kreativität eigentlich. Aber er war sich nicht mehr so ganz sicher, wie sie neuerdings tickte.

Er steckte den Brief in einen Umschlag, frankierte ihn, fakte sogar einen Poststempel und ging damit zu Leonie.

Max wusste, dass Leonie Jule häufiger von der Arbeit abholte. Vielleicht konnte sie diesen Brief in Jules Postablage schmuggeln.

Allerdings war er überrascht über ihre Begrüßung:

„Was macht ihr beiden Turteltäubchen? Alles im Lot?“

Max stutzte. Er kannte Leonie gut genug, um zu wissen, dass sie sich komisch verhielt. Als wüsste sie Bescheid. Max wusste nicht, was er davon halten sollte. Er überlegte sich, ob er Leonie jetzt überhaupt beauftragen sollte, Jule den Brief unterzujubeln, aber er tat es dann doch. Wenn Leonie von den beiden wusste, würde sie auch von dem Brief erfahren.

Er nahm sich allerdings vor, mit Jule darüber zu sprechen, wie öffentlich sie diese neue Rollenverteilung führen sollten. Möglichst gar nicht, wenn es nach seinem Willen ging.

Zu Jules Verteidigung muss man sagen, dass auch sie ein schlechtes Gewissen hatte, was Leonie betraf. Denn immerhin hatten alle drei was miteinander zu tun, aber in unterschiedlichen Konstellationen.

Nun, um die Sache kurz zu machen: Leonie schob Jule den Brief unter. Die las ihn am folgenden Tag ganz unverhofft, und ihre Reaktion war nicht, wie Max es befürchtet hatte, sauer oder verärgert. Sie fand es im Gegenteil süß, wie er sich bemühte und wie ihre Beziehung sich plötzlich neu entflammt hatte.

Sie beschloss also, dass es nun an der Zeit war, seine Tortur zu beenden.

Jule war ein wenig aufgeregt, als sie sich auf einen Zettel ein paar Sachen aufschrieb, die sie besorgen wollte.

5 Kapitel

Jule musste sich beeilen, sie war spät dran. Der Typ im Sportgeschäft hatte sie genervt. Auf ihre Frage, ob er die Kletterseile, die sie kaufen wollte, in drei Meter Länge zuschneiden könnte, hatte er sie nur verstört angesehen.

Vielleicht war es wirklich nicht die klügste Frage der Welt. Aber er hätte sie auch nicht so entgeistert anblaffen müssen.

„Ich fange ja erst langsam mit dem Bergsteigen an! Da brauche ich keine 20 Meter Seil! Kann ja nicht jeder direkt Profi sein.“

„Ich glaube, Sie haben überhaupt keine Ahnung, wie Sicherung am Berg funktioniert!“, hatte er geantwortet.

Unverschämt!

„Dann mache ich es halt selbst!“

„Da wünsche ich aber gutes Gelingen. Das ist eine Topqualität, die kriegt man nicht so einfach durchgeschnitten!“

Aber sie hatte es doch hinbekommen. Es war sogar ziemlich einfach gewesen. Der Idiot hatte einfach keine Ahnung!

Jedenfalls war sie noch vor Max zuhause.

Per Whatsapp hatte sie Max noch gebeten, ihr diese Ökocola zu besorgen, von der sie wusste, dass es die nur in diesem einen Laden am anderen Ende der Stadt gab. Das hatte ihr Zeit verschafft. So hatte sie sich ins Wohnzimmer gesetzt und in ihrer schönsten Handschrift einige Instruktionen geschrieben. Dann hatte sie auf Spotify den Kanal mit der erotischen Klassikmusik gesucht und gefunden, und der Bolero klang sofort auch mal so richtig erotisch und sinnlich. Danach allerdings kam die Spotify-Werbung, und die war so unerotisch wie ein verschimmeltes Wurstbrot. Was Jule vorhatte, würde definitiv länger dauern als die zehn Minuten, die das Stück dauerte. Also schaltete sie es wieder ab und war froh, dass sie ein wenig Planung in diese Sache investiert hatte.

Es war gar nicht so einfach, einen erotischen Abend zu planen!

Aber dann war alles vorbereitet. Die Fesseln waren an die Bettpfosten gebunden, die Augenbinde lag auf dem Bett. Die restlichen Utensilien lagen bereit. Jule duschte noch schnell, zog sich um und schlüpfte dann gerade rechtzeitig aus der Wohnung, um Max nicht zu begegnen.

Dann ging es los!

Wir sollten nun die Perspektive wechseln und uns in Max versetzen.

Der wusste nämlich nichts von seinem Glück, war auch ein wenig genervt, dass er diese doofe Cola besorgen sollte. Öko mochte sie sein, aber sie war trotzdem viel zu süß und schmeckte künstlich. Max hatte mehr Vertrauen in die Lebensmittelchemiker bei Coca Cola als in die kolumbianischen Bauern, die dieses Zeugs zusammengemixt hatten.

Er wäre bei Jules Anliegen unter normalen Umständen sicherlich stutzig geworden, aber seit einigen Tagen war ja nichts mehr normal.

Als er an der Wohnungstür stand, fand er einen kleinen rosa Umschlag. Er zog einen Brief heraus, auf dem stand:

Heute ist es soweit!

Lass alles im Flur stehen.

Geh sofort ins Schlafzimmer!

Seine Hand zitterte ein wenig vor Vorfreude, als er den Schüssel ins Schloss steckte.

Er ließ seine Tasche und die dumme Cola im Flur stehen und folgte dem Befehl ins Schlafzimmer.

Die Fenster waren zugezogen und das Licht schummrig. Auf dem Bett lag eine Augenbinde und fein drapiert waren vier Seile mit Schlinge, die von den Bettpfosten ausgingen. In der Mitte ein neuer Zettel:

Zieh dich aus!

Leg die Augenbinde an und fessele dich an den Händen und Füßen.

Bevor du die letzte Fessel anlegst, schreibst du mir eine Whatsapp. Da steht nur ‚fertig‘ drin.

Das war besser, als er es sich in seinen Träumen vorgestellt hatte! Er riss sich quasi die Klamotten vom Leib und zwar alles. Selbst die Uhr legte er ab. Er schlüpfte in die Beinfesseln und vergaß fast die Nachricht, bevor er sich komplett hilflos machte.

Sein Herz raste.

Dann geschah… nichts.

Er wartete.

Max hatte vermutet, dass Jule sich in der Wohnung befände und sich still verhielt.

Aber es war nichts zu hören außer der Stille und entfernt die Geräusche der Straße.

Die Zeit verging, und er kam sich seltsam vor, wie er da lag, langgestreckt und nackt auf dem Bett, nur sein kleiner Freund immer noch steif und motiviert.

Irgendwann hörte er Schritte im Treppenhaus. Aber er kannte sie. Es waren die schweren Schritte des alten Mannes im vierten Stock. Irgendwann waren sie verklungen, und dann war er wieder allein in seinen Fesseln und in seiner Dunkelheit.

Er konnte es immer noch nicht fassen, was er da für eine Freundin gefunden hatte, die sowas mit ihm machte!

Schließlich waren wieder Schritte zu hören. Leichter. Die könnten zu Jule passen! In der Tat drehte sich der Schlüssel im Schloss, jemand trat ein und schloss die Tür.

Für eine Sekunde fragte er sich, ob das vielleicht gar nicht Jule war, sondern jemand anders. Leonie kam ihm sofort in den Kopf.

Die Schritte näherten sich dem Schlafzimmer und blieben dann stehen. Er konnte die Blicke quasi auf sich fühlen.

Doch dann setzten sich die Schritte in Richtung Küche in Bewegung.

Max war aufgeregt, sagte aber nichts.

Er wartete, versuchte zu hören, was die Person in der Küche machte. Aber er bekam keine sinnvollen Informationen. Schließlich näherten sie sich wieder. Max glaubte, die Aura einer Person wahrzunehmen, die den Raum betrat.

Dann berührten ihn Finger auf der Brust. Sanft und vorsichtig. Sie umkreisten seine Brustwarzen wie in einem Spiel. Sie waren feucht und schienen eine Flüssigkeit auf seiner Brust zu verteilen. Sie roch parfümiert.

Max seufzte einmal laut, als die Finger über seine ziemlich sensiblen Brustwarzen strichen in der Hoffnung, eine Reaktion von der Person zu erhalten. Aber sie blieb still und verteilte mehr von dieser öligen Flüssigkeit auf seinem Oberkörper. Langsam und sinnlich. Es fühlte sich heiß an, ganz neu. Er war noch nie gefesselt gewesen, sie hatten solche Spielchen noch nie gespielt, und ihm wurde nun bewusst, dass er ziemlich hilflos war, wenn sie ihn nicht mit diesem sanften Öl einrieb, sondern vielleicht mit so einer eklig heißen Tigersalbe mit Chiliextrakt oder so. Es fühlte, wie wenig er dagegen tun könnte, und das war ein toller Gedanke. Aber zumindest im Moment hatte er noch keinen Grund, sich Sorgen zu machen, und er genoss das.

Schließich setzte die Person sich auf das Bett, und ein kleiner Hauch von Jules Parfum schwebte zu ihm hinüber. An der Art, wie sie ihn streichelte, konnte er nun mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass sie es war.

Ihre Hände nahmen mehr von diesem Öl und ließen es schwerfällig wie Honig auf seinen Bauch träufeln und verrieben es dann. Erst auf seinem Bauch und dann tiefer.

Max atmete tief ein und stöhnte, denn Jules Hände näherten sich immer mehr seinem S*hwanz. Aber dann waren sie verschwunden und tauchten wieder an seinen Unterschenkeln auf, massierten ihn dort und wanderten hinauf.

Max atmete schwerer. Das war alles zu viel für ihn. Das weiche ölige Gefühl auf seiner Haut und die klare Richtung, in der sich das alles bewegte. Hinauf. Unaufhaltsam.

Er atmete schwer. Scheiße, war das gut. Aber es war auch fast unerträglich. Die Hände waren nun an seinem Oberschenkel angekommen und massierten seine Hoden.

Er zog scharf die Luft ein, wusste nicht, ob er sprechen durfte, musste es aber.

„Nicht! Noch nicht! Nicht so schnell!“

„Schh, Baby! Ganz ruhig! Du hast jetzt nichts zu sagen!“

Er nickte, aber sie wusste gar nicht, wie nah er dran war.

Ihre Finger wieder auf seinen Oberschenkeln, wieder an seinen Hoden.

„Du kommst erst, wenn ich es dir erlaube! Ab jetzt bestimme ich, wann du kommst!“

Aber so lief es nicht. Diese Worte klangen so verdammt geil, dass er nur noch stammeln konnte, und er bäumte sich auf, um es zurückzuhalten, verkrampfte jeden seiner Muskeln, aber es half nichts.

Der Gedanke, dass seine Höhepunkte ab jetzt in ihrer Hand lagen, ließ ihn alle Disziplin verlieren und das neu aufgestellte Gesetz verletzen.

Er bäumte sich auf und mit einem animalischen Grunzen schoss er seinen Samen in die Luft, und er spürte nur nebenbei, wie der auf seinem Bauch landete.

Max atmete schwer und war mit sich allein in der Dunkelheit, bis er wieder genug zu sich kam, um zu verstehen, was gerade passiert war.

„Es tut mir leid!“, stammelte er. „Es tut mir so leid!“ und das wiederholte er immer wieder, bis Jule sich über ihn beugte und flüsterte:

„Es ist alles gut! Alles ist gut! Mach dir keine Sorgen! Alles ist gut!“

Diese Worte waren so tröstend und warm, dass er spürte, wie seine Augen feucht wurden, und er war froh, dass die Augenbinde seine Tränen aufsaugte.

So etwas hatte er noch nie erlebt.

Er spürte, wie Jule sich neben ihn aufs Bett legte und streichelte. Aber nun nicht erregend, sondern wie man es tut, wenn man jemanden tröstet. Dabei flüsterte sie weiter ihre süßen Worte, bis er sich beruhigt hatte.

Es war ihm immer noch peinlich, dass er so schnell gekommen war.

Aber Jule erschien seine Gedanken zu lesen und meinte:

„Wir sind noch lange nicht fertig!“

Max nickte und dann spürte er, wie Jules Finger seinem Samen von seinem Bauch aufnahmen. Er war gerührt von ihrer Fürsorge. Doch dann roch er etwas säuerliches, ganz schwach, aber definitiv wahrnehmbar. Ihr Finger mit seinem Samen an seiner Nase. Sie legte ihre Fingerspitze auf seine Lippen.

Jetzt verstand er, was sie von ihm wollte.

Er hatte so etwas noch nie gemacht! War noch nicht einmal auf diesen Gedanken gekommen!

Nun lag Jules Finger mit seinem Sperma erwartungsvoll auf seinen Lippen.

Für eine Ewigkeit blieb es auch so. Sie sagte nichts, er sagte nichts. Als würde sie ihm Zeit geben, sich mit dem Gedanken vertraut zu machen, und dann sprach sie wieder mit dieser unwiderstehlichen Stimme:

„Für mich.“

Max konnte nicht sagen, ob es ein Befehl oder eine Frage war.

„Du zeigst mir damit, dass du dich mir schenkst, und dir zeigst du, wie groß meine Macht über dich ist.“

Es hätte dieses zweiten Satzes nicht bedurft. Er öffnete willig seine Lippen wie eine Blume ihre Blüte, um seinen eigenen Nektar von ihren Fingern zu lecken.

„Schluck’s nicht sofort runter. Schmeck es. Du sollst richtig schmecken, wie sich meine Herrschaft über dich anfühlt.“

Max gehorchte, und er verstand zum ersten Mal, zu was sie in der Lage war, wie viel sie von ihm verlangen konnte.

Es war ein Moment, an den beide sich noch lange erinnern sollten, obwohl sie nie darüber ein Wort verloren. Aber das, was hier geschehen war, änderte alles zwischen ihnen.

Max hatte sich ihr unterworfen. Es war, als wäre sein Samen ein Zaubertrank, der ihn willenlos machte.

Sie lagen eine Weile stumm nebeneinander. Max schmeckte den salzigen Geschmack auf seinen Lippen. Er konnte nicht sagen, dass er ihn mochte, aber er konnte den Geschmack auch nicht leugnen. Er war so unzweifelhaft da wie seine neue Rolle.

Irgendwann begann Jule ihn wieder zu streicheln, und sofort war er wieder bereit und sein S*hwanz richtete sich auf.

Er war immer noch gefesselt, immer noch von Dunkelheit umgeben, aber seine Sinne waren geschärft. Er roch Jules Erregung. Als sie sich auf ihn setzte, spürte er die Feuchtigkeit in ihrem Schritt.

Ihre Küsse auf seinem Körper. Gefesselt wie er war, konnte er sie sich nicht holen, er konnte sie nur empfangen wie Geschenke. Es waren ihre Geschenke und sie machte sie, wie, wo und wie lange sie wollte. Max lag da, hilflos, ermattet, aber auch bereit und empfing sie. Als sie sich aufrichtete und in ihn eindrang, da nahm er sich vor, dass er nicht wieder zu früh kommen würde, dass er nicht wieder versagte, obwohl er bereit war für das zweite Mal, das sich immer anders anfühlte als das erste. Weniger wild, weniger ausweglos, sondern schwerer, fast schmerzhaft, ein bisschen traurig, als wäre ihm die Alternativlosigkeit bewusst.

Aber auch Jule war bereit, brauchte nicht lange, um an den Punkt zu kommen, und Max war zuvorkommend in seiner Fesselung. Er nahm sich ihres Rhythmus an und tat mit seinen Hüften alles, um ihren Höhepunkt zu unterstützen.

So kam sie schließlich ganz explosiv, und auch er folgte ihr nur wenige Augenblicke später. Sie sackte schließlich über ihm zusammen, ihre langen blonden Haare auf seinem Gesicht, und er wurde durch ihren warmen Duft eingelullt.

Wie lange sie still nebeneinander lagen, er konnte es nicht sagen.

Schließlich sagte Jule: „Puh, das war aber mal was!“ und beide lachten leise.

6 Kapitel

„Wann hast du zum ersten Mal gemerkt, dass du starke Frauen magst?“

Jule und Max waren auf der Couch. Max hatte seinen Kopf in Jules Schoß liegen und sie kraulte seinen Kopf. Irgendwie hatten sie so etwas zuvor noch nie gemacht, und Max hatte gar nicht gewusst, wie sehr er sich nach so etwas gesehnt hatte.

Aber hier in Jules Schoß fühlte er sich einfach geborgen und frei. Und das alles hatte nichts mit Dominanz zu tun.

„Dass ich starke Frauen mag? Ich weiß nicht. Schon immer irgendwie? Aber dann doch nicht. Cat Woman.“

„Cat Woman?“

„Aus so einem alten Batman Film. Ich weiß nicht, wie die Schauspielerin heißt, aber die trug so ein enges schwarzes Kostüm mit Nähten. Die war total durchgeknallt, hatte eine Peitsche und verprügelte Typen. Batman auch, aber ganz elegant und sexy. Die fand ich total heiß. Die war so stark und mächtig, aber gleichzeitig auch grazil und elegant und so.“

„Ja, die ist heiß.“

„Findest du auch?“

„Total. Aber das ist alles?

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Diese BDSM Geschichte wurde von NaSchmi veröffentlicht.

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