GÖTTINNENSPIEL

Eine streng von Frauen kontrollierte Gesellschaft.

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Veröffentlicht am 11. September 2021

Winston, wie er die Treppen hinaufhastet wie jeden Tag: Sein Blick ist gerade nach vorne gerichtet; er vermeidet den Seitenblick, den Blick der Passantinnen auf den Rolltreppen. Er ist nicht zu spät. Winston liebt Ordnung und liebt das Gefühl, wenn er gerade genug Zeit hat. Kurz ist er unachtsam, und sein Blick begegnet dem Blick einer Göttin, die sofort und verächtlich die Augen verdreht. Das Programm läuft. Sofort bestarrt Winston wieder Beton vor den Füßen.

Drüben der Pranger zieht neugierig Blicke auf sich: schon strömt alles hin. In Winston wallt eine Panik hoch; er sucht nach einem Weg zwischen den Anzügen, bunten Röcken und Hosen, aber die Menge zieht ihn mit sich wie ein erbarmungslos reißender Strom, und für Augenblicke keucht er um Luft. Er hat kaum Orientierung, bis er zum Stehen kommt.

Da erhebt sich die Absperrung stark aus Metall, einst ein Provisorium der Interimspolizei, stehengeblieben und zur festen Institution erstarrt. Winston möchte nicht gern auf den armen Kerl hinstarren, der da gefesselt steht, entblößt bis auf den Kittelrock, die Arme nach oben verdreht. Ein rotes Zeichen ist krude auf seine verschmierte Brust getan, das nach unten weisende Dreieck derer, die einer Zugehörigkeitsgöttin öffentlich widersprachen. Immerhin ist sein Gesicht fest unter der Maske verdeckt, und sein Zugehörigkeitsband wurde ihm nicht abgenommen, also wird seine Göttin ihn wieder aufnehmen, wenn er die Strafe gebüßt hat. Auf seinem Leib stehen schon Haarstummeln, auch unter den nach vorne entblößten Achseln sprosst wildes, buschiges Haar. Beim Anblick läuft sofort etwas wie ein uralter Reflex durch Winstons Bauch, eine wühlende Übelkeit, und er hat den Geruch von Schweiß und Dreck in der Nase wie schweres Gift. Sofort ist da auch Wut auf den, der da gestört hat, und Winston denkt, wie der ihm den Tag schwermacht; womöglich wird er jetzt trotz aller Umsicht zu spät kommen, und kann gar nichts dafür. Wenn es schon so beginnt, geht es womöglich noch schlimmer weiter.

Da baut sich hinter ihm eine Sicherheitsgöttin auf; ihre rote Uniform ist so attraktiv, wie sie einschüchtert. An ihrer Seite der Gummiknüppel macht einen tiefen, seltsam beruhigenden Eindruck.

„Na Kleiner“, sagt sie zu Winston, der sich versteift. „Hast du nichts zu werfen? Magst du ein faules Ei oder lieber die Spraydose?“

Keins von beiden, denkt Winston kurz, bevor er sich für die Spraydose entscheidet. Sie erscheint ihm irgendwie sauberer. Die Göttin drückt ihm die Dose in die Hand und wendet sich ohne weiteres ab. „Danke“, sagt Winston noch. Dann steht er da, seine Spraydose in Händen, und da er sie hält, muss er sie freilich auch nützen. Er zielt auf die Brust und den Bauch, wo sich die juckenden roten Pusteln schnell mehren. Andere zielen zugleich, und während das Männchen sich windet, geht durch die Menge ein Johlen.

Sanft stellt Winston die Spraydose ab: Er fühlt, dass er seiner Pflicht nachkam und frei ist, zu gehen. Ganz kurz geht sein Blick unsicher zurück, dann eilt er zu dem Bürogebäude, das auf ihn jeden Tag wartet, treue, freundliche Seele.

Am Sicherheitstor beglückwünscht er sich: heute ist nicht die schwere, eisengesichtige Sicherheitsgöttin am Tor, die ihn immer mit Lust durchprüft und ihm nach Möglichkeit mit ihrer Tellerhand auf den Unterrücken, zwischen die Beine fasst. Bei der Erinnerung schüttelt er sich. Zu viel Körperkontakt, denkt er, ist ungesund. Dann denkt er an Bernadette, und es ist ein kurzer, schöner Gedanke, während er in die Klangwolke taucht, die der Lift ist mit seiner beruhigenden Schwebemusik.

Den Vormittag verbringen sie, wie sie Vormittage verbringen.

B.S. nimmt die Schachtel aus seiner Lade und zündet sich eine an. Der Rauch steigt in feinen Fäden bis unter die Decke.

„Na, ihr?“ fragt B.S. allgemein in die Runde. „Gutes Wochenende gehabt?“ Er wendet sich an René: „Gut drangekommen diesmal, mein Blasser? Gabs wieder Kekse zum Tee?“

René wendet sich ab, während ein unverständliches Murmeln ins Zimmer sickert.

„Muss das sein?“ murrt Winston an seiner Stelle.

„Ich mach doch nur Konversation“, sagt B.S. wohlgelaunt. „Waldorf frag ich nicht mehr, der jammert nur, weil seine Muskeln nicht wachsen und sein Bauch nicht schrumpft.“

„Bäuchlein, bitteschön“, korrigiert ihn Waldorf. „Und du solltest nicht so viel rauchen.“

„Wieso? Ich bin ja fit.“

„Arbeitszeit“, mahnt Winston mit einem Blick auf die Uhr. B.S. verdreht die Augen, aber immerhin verstummt er. René hat sich hinter seinem heiligen Buchwall versteckt. Man sieht an den Seiten des Buchs kantige Ellbogen sich bewegen. Wenn sein Kopf über dem Buchrücken auftaucht, sieht man auch, wie er sich hoch konzentriert die Lippen leckt. Winston versucht, sich auf den Akt zu konzentrieren, der vor ihm liegt: Klassifikation – 107B, notiert er im Beilageschein. Unfall. Beteiligte: 5. Stichworte: Zahnspange, Rosenkohl, Gartenschlauch, Abwasserkanal, China-Restaurant, Frühlingsrolle. Schuldsprüche: Keine. Und ab nach Abteilung 10b. Er wirft den Akt locker auf den Aktwagen und freut sich über die schnelle Erledigung. Er macht einen forschen Blick in die Runde, aber kein Kollege schaut von seinem Schreibtisch auf. René werkt noch immer an seinem Flieger.

Von seinem vierten, fünften Akt wird Winston aufgeschreckt. „Fertig!“ verkündet René stolzgeschwellt. Sie kommen alle an seinem Schreibtisch zusammen, um das Wunderwerk zu bestaunen.

„Was ich an Papierfliegern so liebe“, erläutert René, „ist ihre Leichtigkeit, die Fragilität der Konstruktion, das Gleichgewicht zwischen Form und Funktion. Ein echter Papierflieger, meine Lieben, ist pure Perfektion.“

„Ja“, seufzt B.S. „Das mit der Funktion würde ja stimmen. Wenn du jemals einen von deinen Papierfliegern wirklich fliegen lassen würdest.“

„Damit der da ihn wieder ruiniert?“ sagt René und erinnert alle an einen unangenehmen Vorfall, den er B.S. nie verzeihen wird.

Ein Quietschen kommt von der Tür. Alle schrecken hoch, als schrillte eine Alarmsirene. „Verzeihung“, sagt bloß eine Stimme freundlich leise. Adrian, der Bürobote, blinzelt hinter der runden Brille. Er verträgt keine Kontaktlinsen.

„Wer ist der Dienstälteste?“

„Ich“, meldet sich Winston dienstältesteneifrig. „Ich bin das.“ Als ob Adrian das nicht längst wüsste. Rituale sind gut, um eingehalten zu werden. In einem Büro besteht alles aus Ritualen. Das Aktenschleppen ist ein Ritual. Das Papierfliegerbasteln ist ein Ritual. Das Kaffeetrinken ist eines der wichtigsten Rituale.

Jetzt hält Adrian ihm einen Brief hin, als ob ihn der in der Hand schmerzte. Als wäre das blassgrüne Kuvertpapier mit einem unbestimmbaren Gift eingefettet. Winston nimmt den Brief und versucht, keine Miene zu ziehen. Die andern haben sich an ihre Tische gehockt, schauen erwartungsvoll. Winston unterschreibt den Empfangsvermerk schwungvoll mit kräftiger Tinte. „Keine Ausgänge?“ fragt Adrian automatisch. Dann schlurft er davon, ein Rad seines Wagens quietscht wieder im Takt.

Sie sehen ihm nach, bis das Quietschen verklingt. Dann stürzen sie alle herbei, wollen wissen, was los ist.

Winston liest das Schriftstück aufmerksam, dreimal, bis er seine Mannen mit den Händen zur Ruhe bringt: „Ein Meeting“, verkündet er. „Im Sitzungssaal 2. Maßnahmen zur Effizienzsteigerung. Vorstellung neue Bereichsleitung. 15:00.“

Und plötzlich ist Stille im Großraumbüro.

Sie arbeiten schweigend; es wird nicht geplaudert. Winston erledigt satte vier Akten, jede mit hohem Schwierigkeitsgrad. „Netter Versuch“, meldet sich schließlich René.

„Was – dein Papierflieger?“ versucht B.S. sich in Scherzen. In eine Kugel geknüllt, liegt das glatte Blatt auf dem Tischholz.

„Neue Bereichsleitung“, sagt Waldorf. „Das heißt, sie haben Relmsholst…“ Seine Geste am Hals deutet es an.

„War eh ein Versager“, sagt Winston, aber sein Hals ist trocken. Er räuspert sich. Er darf nicht vergessen, seine Krawatte zu richten, wenn sie zum Meetingraum gehen.

Genau fünf Minuten vor halb drei Uhr macht Winston sich frisch. Er kommt zurück, hat die Krawatte gebunden, und alle tun so, als hätten sie nichts bemerkt. B.S. verkneift sich sein Lächeln beinahe, und René steht ein paar Minuten danach diskret auf, um seinerseits ein paar Schritte zu tun.

Wie geschlossen sie durch die Gänge stolzen! Vier kühle Heroen in perfekt sitzenden Anzügen: auch wenn Renés Anzug von der Stange ist und an ihm aussieht, als hinge er immer noch im Geschäft auf dem Kleiderbügel. Winston hat René auch im Verdacht, dass er seine Nägel nicht oft genug macht. Und ganz sicher färbt er seine Haare, um nicht ganz so albinohaft zu wirken mit seinen Sommersprossen und seiner Blasshaut. Es soll aber nicht mein Problem sein, denkt Winston schnell. Wir bringen jetzt die Besprechung hinter uns, nicken ein paarmal brav mit den Köpfen, und dann geht der gewohnte Gang weiter gemütlich dahin. Winston kennt in den lange vertrauten Gängen ein paar Abkürzungen, und so kommen sie zügig voran.

Im Aufzug unter der Dusche aus Sickermusik macht René ein Genießergesicht und schnalzt mit der Zunge. „Jemand hat ein neues Parfum, glaub ich“, sagt er.

„Ich nicht“, piepst Waldorf. Groß und weich, finden die Göttinnen ihn zumeist männlich sanftlieb.

„Ich weiß“, schüttelt sich René. „Etwas mit Hyazinthe, blumig und stark.“

„Hyazinthe ist jetzt im Kommen“, bekennt Winston sich.

„Das sagst du doch jedes Jahr“, kichert René, aber er wirft Winston doch einen bewundernden Blick zu. „Ich finde es jedenfalls gut.“

„Danke, mein Freund, danke.“

Dann sind sie da, und sie richten sich ein: Bleistifte spitz, karierte Blocks ausgerichtet am Marmortischrand. Der Meetingraumboden hat ein Schachbrettmuster, dunkelhellgrau eintönig helldunkelgrau.

Dann warten sie, die Schwingtüre geschlossen wie eine reglose Schleuse zu einer anderen Welt. Langsam werden sie unruhig: keiner, den sie kennen, würde sich so lange Zeit lassen. B.S. spitzt einen Bleistift und noch einen. René macht eine Zeichnung auf seinem Block, vielleicht von einem neuen Papierflieger. Winston starrt auf die Tür, als ob er sie damit erweichen wollte.

Dann öffnet die Tür sich, ein stockender Atem geht durch die Menge, und ein frischer Zug aus herzhaft herber Kraft weht herein. So haben sie ihre Augen regungslos hingewandt und wenden den Blick schamhaft ab, als das herbe, kantige Gesicht unter dunklen und festen Augenbrauen jeden der Männer unverwandt anblickt.

Es ist unfair, denkt Winston, dessen Blick interessante Details an den Karos auf seinem Schreibblock ausmacht. Es ist gegen den Brauch. Es ist…

Es ist eine Frau. Sie nimmt den Raum an der Spitze der Tafel ein und nennt ihren Namen mit sicherer Stimme: „Doktor Regina Schreier. Kein Ypsilon. Ich leite ab heute das Amtsgeschäft.“

Jedes Wort ist ein indianischer Giftpfeil, ein Samuraidolch. Wenn sie eine Frau schicken, haben sie ernsthafte Änderungen im Auge. In Winston erwacht die Verantwortung, die er als Dienstältester trägt: die Büroehre steht auf dem Spiel. Schließlich arbeiten sie gut, pünktlich, im Regelmaß.

Frau Doktor Schreier erläutert. Als sie die Notwendigkeit nennt, die Effizienz drastisch zu steigern, möchte Winston gern einhaken. Die Zahlen – sie haben doch soundso viel, und das heißt – er weiß, dass er die Zahlen vor einer Minute noch kannte. Frau Doktor Schreier gestikuliert. In seinem Denkapparat, unsichtbar, hat ein Zahnrad ins andre gegriffen; auf einen stählern durchdringenden Blick hin hat ein Schaltkreis aus ersten Momenten sich aktiviert, und Winston vernimmt jetzt ein brennendes, glühendes Ziehen von seinen Lenden an aufwärts bis in den Bauchraum. Ein Bild stellt sich ein, und Frau Doktor Schreiers sinnlicher roter Mund, ihre wogende Brust füllt seinen Gedankenraum. Sogleich fühlt er sich schuldig, solche Gedanken zu denken: diese steinzeitbrutalen Bilder, die die schöne Gewaltfreie und endlich Gerechte Gesellschaft schon längst überwunden hat. Nur er, Winston, er kann sich nicht helfen und braucht noch mehr Kraft, noch mehr Selbstzügelung. Da ist Frau Doktor Schreier natürlich schon längst weiter und nennt konkrete Maßnahmen.

Winston schluckt. Weiter hinten hebt sich eine Hand schüchtern. Waldorf, ausgerechnet der romantische, liebliche Waldorf mit seiner Piepsstimme, wirft ein, japsend: „Aber wir haben… im letzten Halbjahr… die Bearbeitungsrate ohnehin… 20%…“

Frau Doktor Schreier macht nicht einmal eine Pause in ihrem Redefluss. Waldorf betrachtet den Marmor. Rigide Kontrolle der Arbeitszeit. Reduktion der Mittagspause auf 15 Minuten. Kaffeepause höchstens einmal pro Tag, zehn Minuten. „So werden wir unser Team wieder auf Kurs bringen. Alle einverstanden? Gut. Dann, meine Herren, an die Arbeit!“

Frau Doktor Schreier erhebt sich und wallt aus dem Raum. An der Tür dreht sie sich um: „Oh, und eines noch – natürlich herrscht ab jetzt striktes Rauchverbot.“ Die Tür schwingt hinter ihr nach. Die Männer machen verdutzte Gesichter.

Wie anders schleichen sie fort, als sie hinstolzten! Die Aufzugsmusik beruhigt sie ein wenig. Trotzdem ist Winston an seiner Ehre gekränkt und in seinem Dienstältestenstolz schwer verwundet. Den Nachmittag beißen sie Zähne, murren einander an, und als Winston Punkt fünf seinen Bleistift an seinen Platz legt, geht er ohne ein Abschiedswort.

Nahtlos reiht Winston sich in die Menge ein. Der Pranger am Platz ist jetzt leer: Winston wünscht dem Männchen, das dort stand, dass es von seiner Zugehörigkeitsgöttin wieder genommen wurde. Wenn nicht… Winston weiß nicht, was geschieht, wenn Männchen das Unnennbare Halsband bekommen. Das sind die Dinge, die man besser nicht denkt.

Und wie das gestunken hat! Und wie diese Haare sich kräuselten! Zu denken, dass das vor Generationen normal war: Wie müssen die Menschen gestunken haben! Was für ein Ekel muss diese Brutalzeit durchzogen haben. Männchen ohne Ganzkörperwachsung. Behaarte Achseln, behaarte Beine, behaart auch da unten dazwischen… Winston, sagt seine Mutter immer, du grübelst zu viel. Früher hat Winston die Ganzkörperwachsung immer am Montag durchgeführt, aber seit Bernadette ihn am Mittwoch sehen will, hält er das Ritual lieber dienstags ab.

Die Ampel ist rot. Von der Figur in dem Lichtkreis geht eine beruhigende Wirkung aus.

Auf der anderen Straßenseite sieht Winston ein Plakat: ein Halbnackter ist da, mit wunderschön glatter, gerundeter Muskelbrust, und hinter ihm eine riesige Schlange, die das Männchen am Kopf packen wird. Die Schlange bewirkt in Winston sofort einen Reflex aus Ekel und Angst: soweit er es weiß, hat er immer schon Schlangen gefürchtet, wie Spinnen und Hunde. Als wären Bilder von gefährlichen Tieren aus frühester Zeit in ihn eingegraben. Das Männchen auf dem Plakat, hoffnungsvoll hält es den Blick auf die große Parfumflasche in seiner Hand: „Safety“ sagt die Marke. Winston spürt einen Impuls, sie zu kaufen. Leider hat er im Augenblick nicht das Geld. Hyazinthe, denkt Winston, hoffentlich ist Hyazinthe drin. Sofort denkt er an Bernadettes Körperduft, der ihn letzten Mittwoch wie vor einer unermesslichen Zeit so heftig und stark umfing; er denkt an den Hauch ihrer Göttlichkeit, den er zur Belohnung in Mund und Nase bekam. Er denkt sich, dass er all das nicht verdient, und er fragt sich, ob dieses warme Gefühl, das er in Bauch und Brust hat, das sich langsam ausbreitet und jede Pore, jede Faser erfüllt, ob das Liebe ist.

Aber ist Winston zu echter, großer, dem Wahnsinn naher Liebe fähig? Zu einer Liebe, die Mark und Bein erschüttert, die durch und durch geht, die ihn Aufewigdein sagen lässt? Ist die Tiefe der Sehnsucht seiner Seele ermesslich? Oder kann er am Ende nur tun, was sein Körper ihm einflüstert?

Er denkt daran, wie Bernadette ihn ansprach.

Sie tat es so sanft, so selbstverständlich. Und doch auch so kraftvoll, so weiblich, so fest. Im Blumengeschäft stand sie hinter ihm, und dann hielt sie ihm eine Rose hin.

„Was…?“ fragte er, und er erschrak über die eigene Frechheit.

„Was ich will?“ wiederholte sie seine Gedanken, als hätte sie sie gelesen. „Ich werde dir eine Blume schenken – und vielleicht werde ich dich damit verführen. Wer weiß?“

Sie spielte ein Spiel mit ihm, und es fühlte sich so gut an: Gut und entsetzlich und unentrinnbar. Sie sagte ihm, dass er jederzeit Stopp sagen könnte – jetzt jedenfalls noch. Sie fragte ihn, ob sie aufhören sollte. Und dann berührte sie ihn wieder, ein wenig gewagter, und fragte ihn wieder.

Winston sagte nie Stopp. Vielleicht hätte ein gutes Männchen sich ihr verweigert. Vielleicht ist er schmutzig, weil er es nicht tat?

Es ist so verwirrend. Und er sehnt sich so sehr nach Bernadette.

„Warum wollten Sie mich eigentlich?“ hat er sie einmal gefragt.

„Viele Göttinnen wollen dich.“ Sie hat gelacht und ihm einen Nasenstüber versetzt. „Weil du so süß bist. Außerdem hast du den Gehorsam in deinen Augen… und auch den Schalk!“

Winston lächelt, dann seufzt er.

Morgen muss er noch durchstehen, und übermorgen den Tag bis zum Abend – es erscheint ihm im Moment vollkommen unmöglich. Und dass Frau Doktor Schreier jetzt herrscht, macht Winstons Gefühle nicht angenehmer. Er denkt an sie, und er fühlt sich beeindruckt. Und er fühlt wieder die Kribbeligkeit, das heftige heiße Ziehen in seinen Lenden. Nein, denkt Winston, ich bin liebesunfähig. Ich denke an Bernadette, und ich denke gleich wieder an eine andere Göttin. Was bin ich nur für ein Männchen! Er legt alle Verachtung in dieses Wort. Ein Kinderlied fällt ihm ein: „Ein Männchen steht im Walde, dort steht es gut. Dort kann es auch nicht stören in seiner Wut…“

Wenigstens kann er in seinem Kellerabteil ein wenig Ruhe genießen. Das Haus bleibt ruhig und friedlich, seine Mutter hat heute kein Männchen bei sich. Winston putzt sich die Zähne und legt den Zahnkäfig bereit. Er liest noch ein Buch, einen freundlichen Liebesroman über eine Ärztin, die einen Rechtsanwaltsgehilfen heiratet, der zwar nicht sehr klug, aber sehr süß ist. Er geht noch einmal aufs Klo, legt sich den Zahnkäfig an das Peewee, wobei er sorgfältig achtgibt, das Peewee nicht mit der Hand zu berühren. Dann schläft er ein, die Hände brav auf der Decke, voller Sehnsucht und Sorge und Hoffnung.

Am nächsten Tag fehlen die Aschenbecher. B.S. blickt mürrisch drein. Auf dem Tisch findet Winston eine Stechkarte. B.S. deutet schweigend mit dem Finger den Gang runter, nach rechts. Winston stapft wütend.

Aber schließlich vergehen auch diese Tage, und es ist endlich so weit.

Leider muss Winston noch in den Supermarkt. Die Musik ist beruhigend, und er kauft auch gern ein – wenn es nur nicht so ein Spießrutenlauf wäre! Überall Göttinnen, die ihm nachstarren, ihm Anzüglichkeiten zuwerfen, und manch eine hat sogar ihr Männchen im Gehörigkeitshalsband hinter sich, das die Handtasche trägt und den Wagen rollt. An der Kassa ist es besonders schwer in der Enge, ein Männchen allein, das von den starken Göttinnen immer wieder zur Seite gedrängt wird.

Draußen im Freien atmet er auf. Bald wird er bei ihr sein. Bald wird er am Herd stehen. Bald.

Winston läutet. Er wartet ruhig, aufmerksam. Bernadette hat ihm drastisch gezeigt, dass er genau einmal läutet, dann wartet. Er fragt sich, ob viele Männchen so warten. Er weiß keine Antwort. Etwas Tiefes und Elementares sagt ihm, dass es nicht möglich ist, darüber zu reden. Er möchte gerne normal sein. Also hört er auf das, was tief elementar brodelt.

Er möchte doch nur ein gesundes und anständiges Leben, wie jedes Männchen, mit einer Zugehörigkeitsgöttin, die ihm die Richtung weist. Was Bernadette ihm tut, ist doch ganz sicher nicht gesund. Wieso hat sie ihm immer noch kein Halsband angelegt? Ist sie gut für ihn? Vielleicht sollte er einfach nicht mehr kommen… Beim Gedanken daran wühlt ihm ein tiefer Schmerz durchs Gedärm. Es ist ja unmöglich. Er möchte ihr zeigen, wie brav er ist. Alles wird gut werden. Er atmet tief ein und tief aus.

Jetzt ist ohnehin keine Zeit mehr für beunruhigtes Denken. Als sie die Tür öffnet, lächelt sie. „Brav“, sagt sie knapp. Ihre selbstbewusst sich herbeilassende Stimme zu hören, lässt Wohlsein von unten bis oben durch seinen ganzen Körper zittern. Sie lässt ihn eintreten und die Tasche abstellen. Sie wirft einen Blick auf die Uhr. „Du bist sogar pünktlich. Hast du aus deinen Fehlern gelernt?“ Da er nicht antwortet, schnappt sie sein Kinn mit der Hand. „Ja“, beeilt er sich zu antworten. „Göttin.“ Das klang ein kleines bisschen frech, denkt er und senkt vorsichtshalber den Blick.

„Du brauchst eine Dusche“, sagt sie, so wie damals, beim ersten Mal. Sie zwinkert ihm fröhlich zu.

Winston nickt schweigend. Damals hat ihn das alles erschreckt; es erfüllt ihn mit Stolz, dass er jetzt schon so leicht geht, so selbstverständlich. Er entkleidet sich, beinahe ohne zu zögern. Sogar ganz nackt kann er schon stehen, ohne zu beben. Er vermeidet den Blick in den Spiegel und steigt eilig in die Duschtasse. Einmal hat er vergessen, dass er nur kaltes Wasser benutzen darf, und dann ließ sie ihn sich nicht abtrocknen, und er musste die ganze Zeit stehen, bis er von selber getrocknet war, und sich dann wieder eiskalt duschen, bis er in Krämpfen war. Winston schüttelt sich; er lernt schnell, und er lernt gern. Das Richtige zu tun, gibt ihm ein gutes, warmes Gefühl. Er springt aus der Dusche, trocknet sich schnell mit dem Handtuch ab und geht zum Wohnzimmer, wo Bernadette ihm bedeutet, dass er die Hände in den Nacken legen und stehen soll.

Automatisch schließt er die Augen. Es fällt ihm immer noch schwer, sich ihr so zu zeigen. Das Bedürfnis, sich von ihren Blicken zu wenden, ist immer noch da. Er kann fühlen, wie sie ihn begutachtet: Wie sie nach Mängeln Ausschau hält oder nach weiteren Möglichkeiten, etwas an ihm zu verändern. Ihr höchst eigenes Kunstwerk, hat sie ihn schon einmal genannt.

Sie sieht ihn gern nackt. Oh, sie sieht ihn so gern nackt! Er versteht das nicht. Die männliche Physiologie ist ein Auswurfprodukt, eine Sekundärstufe, uninteressant und dreckig. Männchenkörper sind dreckstarrende Pfuhle, so sehr sie auch an sich herumwaschen und sich die Haare auspieksen. Eine wütende Welle durchläuft ihn.

Zum Kochen gibt sie ihm eine Schürze in blauer Farbe, mit einem orangebärtigen französischen Koch drauf und einem gelbfarbigen Fisch. Hinten lose zugebunden, bis knapp über die Knie lose herabhängend, entblößt sie ihn mehr, als sie ihn deckt.

Wie zum Beweis, fasst Bernadette ihm von hinten unter die Schürze. Er fühlt kaltes Metall an seiner Brust; es lässt ihn erstarren, versteifen; als könne er etwas verhindern, während es in ihm glühend wird und zerschmilzt. „Was zauberst du uns beiden heute?“

„Milchrisotto mit weißer und dunkler Schokolade… und einem Hauch Chili.“ Er sagt es mit Stolz. Er weiß, dass sie es gerne süß mag und scharf. Sein Körper schüttelt sich; der Schmerz lässt nicht locker.

„Wow! Das klingt lecker. Aus unserem Buch?“ Dankbar sieht er sie an. Das Büchlein in rotem Samt, mit einem Herz drauf, mit Rezepten für romantische Stunden, hat sie ihm geschenkt. Er hält es heilig wie einen Gral, perfekt versteckt, wo seine Mutter es sicher nie findet. „Es ist ein großartiges Rezept. Sie werden es mögen.“

„Da bin ich mir sicher“, sagt sie. Das Metall an seiner Haut ist wärmer geworden, jetzt kitzelt es ihn. „Motivation“, sagt Bernadette und grinst schelmisch. Etwas macht Klick. An seinen Brustwarzen, wohin er nicht einmal sehen kann, bahnt ein weißloderndes Feuer seinen Weg nach innen. Winston geht leicht in die Knie.

Er überwindet sich und beginnt zu kochen. Während er das gemeinsame Essen kocht, wendet er sich ihr zu: „Warum wollen Sie mich immer wieder nackt sehen?“

Sie blickt ihn erst überrascht an, dann lächelt sie wieder dieses überlegene Lächeln, das er so liebt.

„Ich finde dich hübsch, mein Kleiner. Wunderhübsch. Mir ist egal, was die Allgemeinheit sagt. Männerkörper und so. Das war immer schon so. Ich mag alles an deinem Körper… deine kleinen süßen rosigen Brustwarzen, die leichten Sommersprossen auf deinen Schultern… man sollte sie zählen und aufheben und konservieren. Ich mag deinen Bauch mit seiner kleinen Wölbung. Dein Nabel macht mich rasend vor Gier. Wenn ich deine Beine sehe, möchte ich sie küssen und streicheln. Ich mag das, was zwischen deinen Beinen… oh, ich weiß, da wirst du nervös, nicht wahr? Macht nichts, mein Süßer, ich auch. Ich mag an dir einfach alles. Alles.“ Sie kichert. „Oh, und… ich weiß, dass es dich wahnsinnig macht.“

Seine Brustwarzen sind wie zwei Wunden aus hellroter Glut. Es fällt ihm schwer, aufrecht stehenzubleiben. Er stützt sich mit dem Körper gegen die Arbeitsplatte, um nicht umzukippen. Es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren. Zur Ablenkung versucht er an die Akten zu denken, die er heute bearbeitet hat. Beteiligte: 3. Stichworte: Alkohol. Er möchte verhindern, dass eine schmerzreiche Träne in den Topf mit dem Reis fällt. „Warum dauert das denn so lang?“ fordert Bernadette hinter ihm an dem Tisch, wo sie an ihrem dritten Whiskey nippt.

„Es ist ein Risotto“, murmelt Winston entschuldigend.

„Achso… hmmm… gute Ausrede. Ich frage mich, wie wir dich und dein Risotto noch ein wenig besser motivieren können?“ Wieder fährt sie ihm unter die Schürze, gleitet die Fingerspitzen sicher über die glatte Haut bis zur Brust. „Mund auf“, befiehlt sie barsch. Ein Kettchen kommt zum Vorschein. Sie steckt es ihm in den Mund. Es spannt sich bis unter die Schürze. Der Druck auf die Brustwarzen vervielfacht sich in einem Sekundenteil. Beteiligte: 3. Stichworte: Alkohol, Reversale, verbotene Erektion. Winston kann kaum atmen vor Schmerz. Schuldsprüche: 1.

Bernadette lehnt neben ihm, schaut ihm genüsslich zu. Beteiligte: 3… Als Beilage hat er warmen, karamellisierten Himbeerschaum geplant. Kurz überlegt er, die Beilage einfach wegzulassen, in der Hoffnung, dass er dadurch schneller von den Schmerzen erlöst wird; aber sie kommt ihm freudig zuvor: „Was ist denn da noch in der Tasche? Himbeeren? Du weißt doch, dass ich Himbeeren liebe, du Süßer du!“

Also bleibt ihm nichts, und er arbeitet unter Schmerz und Pein weiter. Er zwingt sich, den Akt aufzusagen: Beteiligte, Stichworte, Schuldsprüche… Er ist gerade beim Karamellisieren, als sie beginnt, ihre Finger an seinem Bauch gleiten zu lassen, an seinen Beinen, an seinem… Unterrücken. Er braucht alle Konzentration, nur um den genau richtigen Moment nicht zu verpassen, Sekunden bevor der Zucker schwarzbitter anklebt, Bernadette spreizt seine Backen und verteilt etwas Kaltes, das ihn zusammenzucken lässt. Da ist es geschehen: verbrannt stinkt dunkler Rauch durch die Küche.

„Oh“, macht Bernadette in spöttischem Mitleid. „Hat mein Kleiner das Essen verdorben?“ Etwas dringt in ihn ein, füllt ihn aus, und er gibt einen erschrockenen, unartikulierten Laut von sich. „Macht ja nichts“, sagt Bernadette. „Tu einfach Zucker hinein und fertig.“ Sie klapst ihm kräftig auf den Unterrücken, und er spürt die Erschütterung durch Mark und Bein. „Oh, und… nicht verlieren, ja?“ Ihre starken Finger zwingen sein Kiefer auseinander. Sie nimmt ihm die Kette ab, ihre Zunge bewegt sich in seinem Mund. „Du bist wirklich ein Süßer.“

Winston weiß nicht, ob er jubeln will oder zusammenbrechen. Als sie unter die Schürze fasst und ihn befreit, ist der Schmerz rasend und bohrend und quer durch den Leib. Als er nachlässt, bleibt immer noch ein Wühlen im Bauch; ein Gefühl, das ihn an seine Schulzeit erinnert, wenn er ein Gedicht aufsagen sollte und die Worte vergessen hatte. So fühlt er sich jetzt: Wie ein Schüler, der dabei ist, bei der wichtigsten Prüfung seines Lebens zu versagen.

Als er ihr ein großes Stück von dem süßen Wunder serviert, zittern seine Hände so stark, dass er den Löffel kaum halten kann.

„Seit wann brauchen Hunde denn eine Schürze?“ fragt sie. Er zögert. „Nun?“ Er seufzt auf, nimmt die Schürze ab. „Bist du mit irgendetwas unzufrieden?“

Er schüttelt den Kopf.

„Du musst lernen, bei mir immer deine Meinung zu sagen“, sagt Bernadette. „Es wird bald die einzige Freiheit sein, die dir bleibt.“ Sie kostet und schnalzt mit der Zunge, während er die Schürze ordentlich auf den Sessel legt. Auf ein Zeichen hin geht er auf alle Viere. Sie nimmt den Topf vom Boden und tut ein Stück Risotto hinein. Wenn sie mit seiner Küche zufrieden ist, wird sie ihm den Topf einfach hinstellen. Wenn nicht, wird sie ihn vorher versalzen oder… sonst etwas tun.

„Du machst es mir schwer“, sagt Bernadette. „Das Essen ist ausgezeichnet. Andererseits – du hast den Topf durchgebrannt. – Augen zu! Soll schließlich eine Überraschung werden.“ Er hört sie aufstehen, die Kühlschranktür öffnen… etwas klappert. Der Topf wird ihm hingeschoben. Er nähert sich, Nase voran – ein scharfer Geruch schießt ihm in die Nase. „Bon Appetit“, säuselt Bernadette. Beim Gedanken, das aufessen zu müssen, wird ihm übel.

Nachher sitzt sie zufrieden auf dem Sofa und lässt sich die Füße waschen und eincremen und massieren. „Darf ich Ihnen eine Frage stellen?“

„Das hast du doch grade getan.“

„Göttin, ich habe kein schlechtes Gewissen.“

„Ja, und?“

„Und ich sollte ein schlechtes Gewissen haben. Ich habe das Essen verdorben.“

Sie streicht ihm sanft über die Haare. „Mein Armes. Sag – als du dein Töpfchen gefressen hast, wie war das?“

Er erinnert sich ungern daran. Süß und scharf, das hat er sich anders gedacht. „Es war… furchtbar.“ Er muss loskichern. „Tschuldigung.“

„Also“, beharrt sie und muss selbst lachen. „Wie ist das – hast du deine Strafe bekommen?“

„Ja.“

„Eben. Also, wenn du den Fehler gebüßt hast, warum solltest du dann noch ein schlechtes Gewissen bekommen?“

Darüber muss er erst nachdenken. Das fällt ihm nicht leicht. „Armes“, sagt sie wieder. Ihr Blick geht in die Ferne, als hätte sie gerade jetzt eine Erkenntnis. „So machen die das“, flüstert sie langsam. „Sie enthalten euch eure Strafe vor.“ Sie seufzt. „Du weißt ja nicht, wie du mein Leben bereicherst.“

Er bemerkt, dass sie dabei ist, ihre Hose abzustreifen, und da ein Schaltkreis in ihm heißläuft und seine Scham antreibt, schließt er blitzschnell die Augen und fest wie Schraubzwingen.

Sie führt seinen Kopf sanft an die richtige Stelle. Sie sagt, dass er das sehr gut machen wird, dass sie sich freut, ihn dort zu spüren. Er benutzt seine Zunge, wie er es gelernt hat, denn die Zunge ist das Werkzeug der Sprache und das sauberste, was das Männchen der Göttin darbietet, wie es tuschelnd getratscht wurde auf dem Schulhof, wie sie es ihm beigebracht hat. Die göttliche Feuchte, herb und stark, reinigt den Männchenmund, heilt die Wunden, spendet eine tiefere Freude. Feuchtheiß gleitet die Zunge, wenn das Männchen sich wahrlich vollkommen hingibt, und dadurch kann es seinen Beitrag leisten. Veredelt wird es, während die Göttin sich holt, was ihr gehört. So darf das Männchen den Alltag der Göttin bereichern, erleichtern, versüßen, wenn sie es wil. Er ist stolz, wenn er die Göttlichkeit der Göttin so berühren, schmecken, fühlen, riechen darf. Er lässt sich von dem Geschmack einnehmen, von dem Duft betörend umhauchen. Er findet sich glückerfüllt, schwebend in dieser Welt aus zarter Haut, Feuchte und Liebedienst.

Als ihr Atmen laut wird und in ein Stöhnen übergeht und sein Stolz anschwillt und er sich so unglaublich glücklich fühlt, befiehlt sie ihm zwischen den unartikulierten Lauten, die Augen zu öffnen.

Er zögert. Er weiß nicht, was er jetzt tun soll. Das Herz bis zum Hals schlagend, nutzt er weiter die Zunge, so tief er kann, und hofft, dass sie die Forderung nicht wiederholt.

„Du sollst…“ Wie ungeduldig sie sein kann! „Oh verdammt. Hör auf. Hör sofort auf!“

Sie springt auf und zieht sich die Hose hoch.

Wie sie ihn jetzt ansieht! Zorn funkelt in ihr, heilig und feuerheiß.

Ihre Augen glänzen mit Feuchte, als könnte sie weinen. Enttäuscht muss sie sein, wütend und… verlassen, denkt Winston in einem Moment, und verdrängt es sofort wieder. Ihre Worte sind dringlicher jetzt als seine dummen Gedanken.

„Du musst gehen.“

„Aber…“

„Keine Widerrede. Lass mich allein!“

„Ich… kann ich nicht…“

„Mach mich nicht wütend! Wenn du mich wütend machst, darfst du nie wiederkommen, verstehst du mich?“

Während er sich ankleidet, ihre Blicke vermeidend, hastig, steht sie ungeduldig mit einer Zigarette. „Das ist einfach ungesund“, hört er sie murmeln. Zum Abschied sieht sie ihn nicht einmal an.

Er irrt durch die Straßen. Er kann nicht zur Ruhe kommen, nicht einmal eine Sekunde. Später sitzt er weinend auf einem Randstein. Später kommen auch keine Tränen mehr, und er sitzt und starrt auf den Asphalt. Als er sich endlich gefasst hat, um nach Hause zu gehen, ist es spätdunkle Nacht.

Diese Tage verbringt Winston blind funktionierend, wie eine Maschine. Die Dinge scheinen entfernt, als könne er nichts berühren, als wäre die ganze Welt in unsichtbare Watte gepackt, blass wie von Milchglas getrübt, ohne Geschmack fad, geruchloses Gas.

Unterdessen rasen die Gedanken in ihm, alles umreißende Orkane aus allen Richtungen. Wieso legt sie ihm kein Halsband an? Er möchte sich endlich gehörig fühlen. Er hat doch ein Recht auf sein kleines, nettes, zufriedenes, stilles Glück! Will sie ihn überhaupt wieder sehen? Vielleicht sollte er einfach fortbleiben, er ist noch jung, attraktiv, süß, andere Göttinnen werden ihn wollen, das hat sie selber gesagt… aber dabei zieht es ihm die Gedärme schmerzhaft zusammen, und er kann kaum atmen. Er braucht Bernadette, ihre Zuwendung und auch ihre schlimmen Forderungen… die sie nicht stellen darf. Nicht einmal sie! Nicht einmal eine Göttin darf das.

Winston kann es kaum fassen, dass er das denkt. Schuld überkommt ihn heiß und bitter, ein Mechanismus schnappt ein, ein Zahnrädchen dreht sich, und er muss hinaus, läuft zum Klo, übergibt sich. Dann diese verdammte Stechkarte, die er schon zweimal vergessen hat. Er weiß nicht, wie er damit zurechtkommen soll. Und B.S. ist ohne Rauch unausstehlich.

Gestern kam die Sicherheitsgöttin. Waldorf, mit blitzendem Auge, entfaltete seine volle Blüte: Wie herrlich die Uniform an ihr stehe, wie tapfer sie sein müsse bei all den Narben… Sicher eine Kämpferin, sicher hätte sie schon viele Unruhestifter zur richtigen Strafe gebracht. Sicher wäre sie jemand, bei dem er sich ganz ganz sicher fühlen dürfe, weil sie ihn vor den Schlimmen beschütze.

„Ruhe“, sagte die Sicherheitsgöttin nur. Dann herrschte sie B.S. an, dass er die Lade öffnet, fand drei Päckchen Zigaretten und nahm sie mit starker Hand, um sie in ihrer roten Handtasche zu versenken.

„Das darf sie nicht“, protestierte B.S. „Ich werde Beschwerde führen! Das ist eine Frechheit! Betrug!“ So dahin, freilich erst, als sie längst mitsamt seinen Päckchen gegangen war. Als er damit fertig war, beschuldigte er Waldorf, er hätte gemeinsame Sache gemacht. Winston versuchte zu schlichten, was dazu führte, dass B.S. jetzt auf ihn losgeht, wann immer er kann.

Winston hat in der Früh schnell seine Lade kontrolliert. Man sieht nichts, wenn man sie öffnet – keine Spur von irgend etwas. Das kleine Fach aus Karton und Klebeband hält sicher. Bernadettes Brief und das Kochbuch im roten Samt mit dem unzüchtigen Titel sind gut versteckt. Winston hat aufgeatmet. Es gibt keinen anderen Ort, an dem er seine persönlichen Dinge verstecken kann. Er weiß nicht, wohin. Zu Hause sieht seine Mutter nach. Vielleicht hätte er den Brief besser vernichtet? Er brachte es nicht übers Herz. Dieses Mahnmal ihrer Liebe verschafft seinem Herz ein winziges Stück Ruhe. Wenn er kein Halsband hat, hat er wenigstens das. Es ist auch sein Recht, denkt er, auf eine Art.

Waldorf kommt mit einer Bonbonniere, Konfekts und Fondants mit alkoholfreiem Likör, legt sie B.S. auf den Tisch, mit einem gnadeheischenden Blick. Waldorf entschuldigt sich bei B.S. dafür, dass er mit der Sicherheitsgöttin geflirtet hat. Der knurrt nur, vergräbt sich hinter den Akten. Waldorf zuckt seine Schultern. Immerhin ist es jetzt ruhig, abgesehen von den Geräuschen, die B.S. macht, wenn er wieder eine der Pralinen verschlingt.

Am Nachmittag klagt B.S. über Bauchschmerzen und meint, dass ihn Waldorf vergiftet hat. René schüttelt den Kopf. Waldorf verrenkt sich die Augen.

Winston weiß, dass er das nicht lange durchhalten kann. Er muss sein Arbeitspensum erfüllen, er muss den Haushalt seiner Mutter aufrechterhalten, er muss…

Er muss Bernadette wiedergewinnen!

Langsam lichten seine Gedanken sich, gewinnen ein wenig mehr Ruhe. Am Wochenende, im Wald, weit weg vom Lärm, gärt in ihm ein Beschluss: Er muss einen Schlussstrich ziehen! Er wird alles tun, was Bernadette fordert, wird gerne für sie kochen, gerne für sie sorgen, bis sie bereit ist, ihm das verdiente Halsband zu geben; es mag Monate dauern, Jahre, aber er wird nicht diese Dinge tun, die jedem Anstand, jeder Moral widersprechen. Er gibt sich selbst ein Versprechen.

Auf dem Heimweg riskiert er noch einmal den Weg quer durch die Stadt, setzt sich den Armen und Beinen und Augen aus, schaut starr auf den Boden, während er geht. Am Ende zögert er doch, als er das kleine Häuschen erreicht, den kleinen Vorgarten sieht. Wie schön die Ziersträucher zugeschnitten sind, und dass er sich vorstellen hätte können, selber einmal der Gärtner zu sein. Die Vorstellung, all das zu verlieren, zerreißt ihn beinahe. Er steht, und hilflos ist er den Tränen ausgeliefert, die ihm die Wangen herunterlaufen.

Eine Sicherheitsgöttin bemerkt, dass er steht und starrt: „Was gibt es zu starren?“ herrscht sie ihn an.

„Verzeihung“, murmelt er und will gehen. Ihre Handschuhhand hat ihn fest am Arm gepackt: „Wenn ich dich einmal noch stehen sehe, kommst du mit auf die Wache!“

Winston nickt. „Entschuldigung“, murmelt er noch einmal. Die Sicherheitsgöttin lässt los, und er beeilt sich, nach Hause zu kommen.

Am Montag kommt Adrian wieder mit quietschenden Rädern. Er händigt Waldorf einen Brief aus. Sein Gesicht ist ernst, als hätte er eine Ahnung, was in dem Brief stehen muss. Er zwinkert hinter der Brille nervös mit den Augen. Seine Haut scheint noch durchsichtiger zu sein als sonst: Winston erkennt blaue Äderchen an den Wangen, selbst im Bürolicht.

Waldorf wird gezwungen, den Inhalt des Briefs vorzulesen. Er hat sich in einer Stunde zur Kontroll- und Bewertungsbesprechung in Frau Dr. Schreiers Büro einzufinden.

Waldorf ist blass. „Sie werden mich feuern… Ich werde im Lager enden.“ Er kann nicht aufhören zu jammern.

Winston und René versuchen ihn zu beruhigen. Keiner weiß, ob es die Lager wirklich gibt. Es sind Ammenmärchen und Gruselgeschichten, nichts weiter. Waldorf ist doch ein guter Mitarbeiter, fleißig und anständig. Sie wären doch dumm, wenn sie ihn einfach so wegwerfen.

Waldorf verlässt das Büro zitternd, als ob seine letzte Stunde geschlagen hätte. Winston begleitet ihn noch bis zur Biegung des Gangs, wünscht ihm viel Glück, alles Gute, toitoi.

Zwei Stunden später wagt B.S. endlich, zu fragen, wo Waldorf bleibt.

René und Winston zucken die Schultern. Sie verstecken sich hinter den Akten. Winston spürt schreckliche Angst seinen Körper hochklettern. Er fühlt sich wie in der Falle: eine Horde von Tieren, die rund um ihn in den Schatten lauern, den Kreis immer enger schließen, und er kann nichts tun als zu warten, zu hoffen, zu beben, sich unter die eigenen Schultern zu ducken.

Schließlich ist wieder Mittwoch, endlich! Winstons Herz macht einen Sprung, als er aus dem Büro kann. Beinahe vergisst er, was er sich selber geschworen hat. Selbst der Weg in den Supermarkt fällt ihm leicht. Dann, als er vor der Tür steht und genau einmal läutet, glaubt er, es ganz vergessen zu wollen; denkt er, wenn er ihr alles gibt, wird sie ihr Herz dem richtigen Weg zuwenden. Sie wird dann nicht anders können. Die Kraft seiner Hingabe wird sie erweichen.

Sein Herz schlägt, als wolle es seinen kleinen Körper zersprengen.

Als die Türe sich öffnet, ist es wie ein Erwachen. Er sieht sein breites Lächeln und fühlt sich, als ob er hier hergehört. Nur eine leise Stimme, ganz hinten in seinem Kopf, flüstert ihm etwas zu, und er weigert sich, hinzuhören. Stattdessen hält er Bernadette die Einkaufstasche hin… murmelt, „Ich wusste nicht, ob…“

Sie bittet ihn herein. Es sieht beinahe aus, als hätte sie eine Träne im Auge gehabt. Dann hat sie ihn, fest in den Armen, und ihre Küsse sind in ihm wie ein Feuerwerk, ein Gewitter. „Schön dass du da bist, mein Kleiner“, flüstert sie. „Oder…“, sagt sie, schon wieder leise lachend, „…oder sollte ich sagen, mein Großer?“

Während er sich von ihr löst, entschuldigt er sich für die Gewalt, die er ihr antut. Bevor er noch fertig ist, hat sie ihm eine schallende Ohrfeige verpasst.

„Schau mich an“, sagt sie, und ihre Stimme ist wieder fest und bebt nur noch ein wenig nach. „Du wirst dich nie wieder dafür entschuldigen.“ Sie zeigt nach unten, wo das Biest zwischen den Beinen, fest geworden, sich regt. „Verstanden?“

„Ja“, sagt er leise. Sind das nicht genau die Dinge, über die er mit ihr reden muss? Er weiß nicht, wie er es anfangen soll. Er windet sich.

Sie lässt ihn diesmal nicht duschen. Sie führt ihn ins Wohnzimmer. Komisch, denkt er, das ist das erste Mal, dass ich das Wohnzimmer angezogen betrete. Er will sich auf den Boden setzen, aber sie zwingt ihn neben sich auf die Bank. „Bitte…“, sagt sie.

Er fühlt sich eigenartig unwohl. Das Zimmer ist abgedunkelt. Der schwere Eichentisch beherrscht die Mitte des Raums. Eine Uhr tickt laut. Es ist ihm noch nie aufgefallen, dass im Wohnzimmer kein Fernseher steht. Aus irgendeinem Grund macht ihn die Tatsache etwas nervös.

Bernadette sieht ihn an. Diese großen Augen, dieser tiefe Blick. Er möchte, sie sagt endlich etwas.

„Du musst mir verzeihen“, sagt sie ernsthaft, mit trockener Stimme.

Winston weicht automatisch zurück. Es gibt Sätze, die Göttinnen nicht sagen sollen.

„Ich habe dich weggeschickt, weil ich wütend war. Und ich war nicht wütend auf dich. Ich war wütend auf mich.“

Er sitzt da wie versteint. Er hat sich viele Vorstellungen gemacht. Er ist diese Szene hundert Mal in seinem Kopf durchgegangen, und jetzt sitzt er da wie versteint.

„Du bist mir ans Herz gewachsen, mein Kleiner. Du hast mich verändert. Ich hätte das nicht geglaubt… “ Sie atmet tief durch, scheint sich zu überwinden. „So, und jetzt… Jetzt will ich Spaß haben.“

Wieder lässt sie ihn sich ausziehen. Wieder soll er die Hände in den Nacken legen. Und sie befiehlt ihm – nein, sie bittet ihn, mit seinen Augen ihren Blicken zu folgen, die ihn abtasten.

„Ich war viel zu schnell“, flüstert sie, während sie vor ihm steht, ihn von oben bis unten betrachtet, und wieder von unten bis oben. Er gibt kleine Geräusche von sich; es fühlt sich an, als würden ihre bloßen Blicke seinen Körper berühren, seine Haut durchbohren. Er wünscht sich, er dürfte die Augen schließen, aber sie wiederholt immer wieder, dass er sie offenhalten, auf sie hören soll. Auf sie hören… ihre Stimme in sich lassen, ihrem weichen Mund folgen, und dann, als sie näher tritt, als sie ihn tatsächlich berührt… schreit er auf, als hätte ein Schmerz aus tausend scharfen Nadelspitzen ihn mit einmal durchbohrt.

Ihre Finger tänzeln auf ihm. Er wartet darauf, dass sie ihm wehtut, aber sie streichelt nur sanft, hier und da, haucht über die Brustspitzen, die so empfindsam werden wie Knospen, sich ihr zuneigen, sich ganz dem Gefühl öffnen…

Dann, als ihre Finger weiter nach unten wandern, als er spürt, wie es zu pochen beginnt und zu schlagen, ist er froh, seine Blicke in ihren Augen festkrallen zu können, sodass er es nicht sehen muss, was da unten geschieht. Seine Augen sind schreckensweit.

Sie berührt etwas da unten. Er weicht automatisch zurück. Er hasst sich dafür, dass er diese Gewalt nicht unter Kontrolle hat, und einen Augenblick lang hasst er Bernadette… aber wofür? Es ist sein schrecklicher, dreckiger Körper.

„Zu schnell?“ fragt sie sachte. Er nickt beschämt.

„Darf ich… darf ich mich duschen?“ Er fühlt sich so dreckig.

„Natürlich darfst du“, kichert sie.

Er verschwindet, so schnell er kann. Er nutzt das eiskalte Wasser mit vollem Strahl. Er schafft es, sich ein wenig zu beruhigen.

Als er zurückkommt, hat sie ein Seil und ein schwarzes Seidentuch bereit.

„Es wird dir helfen, dich zu entspannen“, sagt sie. „Ich verzichte nur ungern auf deine Augen, sie sind so schön, aber… ich möchte, dass du dich entspannen kannst.“

Wie sanft ihre Stimme ist! Wie Seide auf flaumiger, süßduftiger Haut. Verborgen unter dem schwarzen Samt, lässt er sich von ihr führen. Sie gehen die Treppen hinauf, durch die Tür. Dann gibt sie ihm einen Stoß, und er fällt, fällt, landet so weich wie noch nie, fühlt sich wie schwebend. Sie wendet ihn rasch auf den Bauch. Sie nimmt schnell seine Hände, ein Knoten zurrt fest. Er zieht an den Seilen und kann sich kaum rühren. Er lächelt. Tränen rollen unter der Augenbinde hervor.

Der erste Schlag trifft ihn ohne Vorwarnung, und er zuckt, und er schreit.

„Keine Schreie!“ befiehlt sie mit steinharter, trockener Stimme. „Und zähl mit.“

Schläge folgen. Er versucht seine Schreie zu beherrschen, zu dämpfen. Bald beißt er auf Stoff, bald hat er sich einmal verzählt, und genießerisch sagt sie, dass sie von vorne beginnen müssen, und diesmal soll er den Unterrücken in die Höhe winden. Er muss grinsen. Er windet sich halb auf die Knie, hält ihr den Unterrücken entgegen, muss beim nächsten Schlag nachgeben und sagt „Eins“ unter Tränen.

Die Schläge zucken herab, während er schutzlos hofft, dass jetzt Schluss ist. Die Schläge scheinen ineinander zu gleiten, sie tanzen den Reigen im Rund um Winstons Körper, um Winstons verbotene, gute Gefühle, um Winstons Geist. Bald wird er mitgerissen, eingereiht in den Tanz, und dann lacht er lauthals, ein verrücktes, ein grässliches Lachen, und er ist jetzt ganz durchsichtig, ganz nachgiebig, weich. Dann ist, einen Moment lang, seine flüchtige Seele verschwunden, und er fühlt sich so tief mit Bernadette verbunden, dass er sich wünscht, dass es nie enden wird. Er möchte jetzt ihre Hand halten; zwischen zwei Zählungen hebt er sie, so weit er das kann, und spürt ihre Hand, die seine nimmt und fest hält, lange nur hält, fest lange hält, sanft nur streichelt, bevor sie ihn sacht loslässt und er wieder den Mund gegen das Schreien verschließt, zählt und ins Dunkel starrt.

Schließlich dreht sie ihn auf den Rücken. Ihre Stimme begleitet ihn, geleitet ihn sanft.

„Ja, so gefällst du mir. Erschöpft, nackt, hilflos. Du gefällst mir vom ersten Augenblick an, als ich dich damals gesehen habe. Ich habe keine Sekunde gezögert. Ich habe dich gesehen, und ich habe dich mitgenommen. Erinnerst du dich? Sicher tust du das. Es war ein wundervoller Nachmittag, es war gerade erst Frühling geworden, es war noch kühl in der Stadt, und die Stadt war voll von all den Geräuschen, und zum ersten Mal hast du vor mir gestanden. Wie warst du wunderschön! Und jetzt liegst du hier, du bist rosiges Fleisch, und ich erschaffe ein Kunstwerk. Und du lässt es einfach geschehen, und es ist gar nicht nötig, dass du es zulässt, blind und gelähmt… Ich berühre dich langsam, langsam, wie ein Zauberstab wecke ich dich zu einem neuen Leben, und ich berühre dich überall, wo ich will, was ich will, wie ich will.“

Von seiner Körpermitte geht eine Anspannung aus, die jedes Wort in ihm lahmen und stürzen lässt. Er hört noch die Stimme, er hört wie sie spricht, ein Singsang, ein Hintergrund, berauschend, wortlos. Er schreit unbeherrscht, laut auf, und in diesem Moment ist er jenseits der Schuld, ist es nicht die männliche Schmutzigkeit, die ihn treibt. Schwerelos fällt er dahin durch den Raum, unermesslich und dunkel.

Er hört Bernadette sagen, „Stopp!“, und ein kleiner Schalter in seinem Innern fällt um, die Anspannung beginnt sofort abzuebben.

„Siehst du“, sagt Bernadette. „Ich kann es beenden, wann immer ich will. Wann immer ich will!“

Er ist außer Stande, zu antworten. Er ist außer Atem, er fühlt sich erschöpft, und… da ist etwas anderes. Winston fühlt sich, als wäre er nicht wirklich hier bei Bernadette. Einige Momente lang fühlt er sich, als schwebte er außerhalb, oberhalb.

„Was war das?“ fragt er sie. Und dann, lauter, dringlicher: „Was war das?“

Die Augenbinde verschwindet von seinen Augen. Sanft streicht Bernadette seine feucht verschwitzten Haare aus seiner Stirn. Ihre Stimme ist träumerisch. „Ich weiß nicht, ob du es jemals völlig verstehen wirst. Ich weiß nicht, wie lange es für dich dauern wird. Ich bin nicht einmal ganz sicher, ob ich es selbst völlig verstehe. Aber ich weiß eines, und das weiß ich ganz genau.“ Ihre Stimme sinkt zu einem Flüstern, als sie sich zu ihm herabbeugt. „Du bist nicht schmutzig. Du bist nicht schuld. Dein S*hwanz…“ Er dreht seinen Kopf weg. Sie zwingt ihn wieder zu sich. „Das Peewee… Dein S*hwanz, dein wunderschöner, lebendiger, pulsender großer S*hwanz…“ Er stöhnt auf. „Hör mir gut zu, Winston: Dein Peewee wird groß, wenn ich das will, und er wird klein, wenn ich das will.“

Jetzt schreit er. Er füllt den Raum mit seinem Schmerz. Er füllt Bernadettes Gesicht mit seinem Fluch, während sie beruhigend auf ihn einredet, und er sachte, sachte wieder zu sich kommt.

„Du wirst viel lernen, Winston. Du bist ein gelehriger Schüler. Und ich möchte gern deine Lehrerin sein.“

Ihr Finger neckt ihn.

„Du weißt, was das heißt, Winston?“

Er weiß nicht, welche Antwort sie von ihm wünscht.

„Natürlich nicht.“ Sie bewegt die Hand wieder nach unten, und er schreit kurz auf. „Groß, wenn ich das will. Klein, wenn ich das will.“

Plötzlich bäumt Winston sich gegen die Fesseln und schreit: „Aber ich will das nicht!“

Sein Atem geht keuchend. Er fällt auf den Polster. Sein Puls rast im Schreckenstakt. Noch nie hat Winston eine Göttin angeschrien. „Ich will nicht!“ wiederholt er.

Sie springt vom Bett. Sie starrt ihn an, verstört, hält sich den Mund mit der Hand, entsetzt. „Will nicht…“ murmelt sie. „Will nicht…“

Dann, laut und stark, schreit sie: „Was willst du nicht, Männchen?“

Er ist zurückgesunken. Es ist aus. Sie wird ihn hinauswerfen. Er wird den Rest seiner Tage verbringen in unerträglicher Schuld. Er hat einer Göttin den Gehorsam verweigert. Er hat sich gegen die Regeln vergangen. Er hat die letzte Chance vertan, jemals gehörig zu sein.

„Sag es! Los, sag es!“

Winston hört sich selbst sprechen. Winston ist nicht, der spricht.

„Ich will nicht, dass Sie Schw… Schw… Ich will nicht, dass Sie es sagen.“

Bernadette nickt, halb erschrocken, halb entzückt geht ein Zucken um ihren Mund.

„Ich will nicht,… dass es sich bewegt.“

Sie nickt wieder. Dann kommt sie her, löst die Fesseln und küsst ihn.

„Dein erster Schritt in die Freiheit“, flüstert Bernadette.

Winston kommt mit federnden Schritten die Stiegen herauf. Er lässt sich von der Menge mitspülen wie von einer warmen Strömung im Ozean, und er summt leise zur Aufzugmusik vor sich hin. Zugegeben, er hat immer noch kein Halsband, und gestern nacht auf dem Heimweg war er verstört, voll von all den Gedanken, die ihn mit ihrer Lautstärke und ihrem Locken verwirrten. Er weiß aber auch, dass er heute abend schon wieder bei Bernadette sein wird, die verschwörerisch meinte, sie könnten doch all das gute Essen nicht einfach verderben lassen.

Freilich versteht Winston nicht, was Bernadette von ihm will. Andererseits, ist das nicht ein Beweis für das, was gesagt wird: dass Männchen nicht zum Verstehen geboren sind; und wie es schrecklich gewesen sein muss damals, in der Brutalzeit, als die Männchen in Horden durchs Land zogen und die Zerstörwut, die aus den Peewees troff, auf die Welt ließen. Winston schüttelt sich und schickt schnell ein Stoßgebet zu Edita. Schnell denkt er daran, wie er heute abend für Bernadette kochen wird. Gleich fühlt er sich wieder gut.

Wie tief ist der Fall aus der Höhe! Entsetzen ist über ihm, als eine Sicherheitsgöttin den Raum betritt, sich grußlos kurz umsieht und dann zu Renés Tisch geht. Sie streckt den behandschuhten Arm aus. „Das Buch“, bellt sie tiefstimmig. René ist zuerst zu verwirrt, um zu reagieren, also wird sie lauter: „Das Buch her!“ erfüllt ihre Stimme den Raum, und ihr Finger zeigt.

Zitternd nimmt René das Buch in die Hand, streichelt es sanft mit den Fingern, und sieht die Sicherheitsgöttin verunsichert an. „Willst du gern mitkommen?“ fragt sie gelangweilt.

René schüttelt den Kopf, wendet den Blick ab und gibt ihr das Buch.

Die Sicherheitsgöttin marschiert hinaus. Die Männchen schauen einander an. Sie sind zu entsetzt, um etwas zu sagen. Als Adrian angequietscht kommt, findet er kaum einen Gruß. Er rückt seine Brille zurecht.

„Brief für B.S.“ krächzt er und räuspert sich. B.S. steht auf, nimmt den Brief schwankend und dankt tonlos. Das Quietschen verklingt in der Ferne.

„10 Uhr“, sagt B.S und versucht einen Scherz. „Soll ich euch meine Lageradresse sagen, wenn ich sie habe?“

Keiner lacht.

Zehn Minuten vor zehn steht B.S. auf, räuspert sich, rückt seine Krawatte zurecht und geht schnell hinaus. René und Winston heben beide die Hand wie Synchrontänzer. René kräuselt die Stirn. Winston starrt eine Weile blicklos auf den leeren Tisch in der andern Ecke, dann beeilt er sich, mit der Arbeit weiterzukommen.

Um zwanzig nach zwölf ist ein Geräusch an der Tür. Ein Luftzug strömt durch den Raum, weht ein Männerparfum mit sich – die Tür schwingt freudig auf, und herein tritt voller Schwung B.S., ein breites Lachen auf seinem Mund.

Er setzt sich auf seinen Platz, legt die Hände gockelhaft stolz in den Nacken.

„Schön, dass du wieder da bist“, sagt Winston lächelnd. Die Anspannung macht sich Luft: Alle drei kichern los, dann lachen und kreischen sie. René steht sogar auf und macht ein paar Tanzschritte.

Schließlich haben sie sich beruhigt. „Ist sie nicht großartig?“ fragt B.S. in die Runde.

„Was? Wer?“

„Wer? Frau Doktor Schreier, natürlich!“ Und stürzt sich in seine Arbeit, breit grinsend.

Winston fühlt sich nicht wohl. Das Gefühl steigert sich, als am Nachmittag B.S. plötzlich verkündet, er sei ja so froh, dass alles ein glückliches Ende genommen habe und er endlich verstehe, wie gut es sich anfühle, so produktiv sein zu dürfen.

René und Winston starren einander an.

„Ich werd dir ein neues Buch kaufen“, sagt Winston am Abend und legt René freundlich einen Arm auf die Schulter. René lächelt.

Er läutet und steht. Wie gewohnt ihm das ist – beinahe Normalität, stille, bekömmliche Tagesfreude.

Sie öffnet und grinst breit. Sie nimmt ihn in den Arm und schnuppert an ihm. „Du brauchst eine Dusche“, sagt sie und gibt ihm einen freudigen Klaps auf den Unterrücken.

Beinahe tänzelnd, gleitet Winston ins Bad. Schwungvoll legt er die Kleider auf den Sessel und springt in die Dusche. Er legt die Hände lächelnd hinter den Kopf.

„Meinem Schatz geht es gut?“ sagt Bernadette freudig. Winston nickt.

„Dann sorgen wir dafür, dass es dir noch besser geht, oder?“ Sie schwenkt ein dünnes Seil vor seinen Augen. Als sie die Hand öffnet, fällt ein schweres Gewicht heraus. „Hoppla“, macht Bernadette. „Augen zu!“

Er tut, wie ihm gesagt wird. Er spürt, wie die Seile sich zuziehen. Kurz darauf jault er vor Schmerz auf. Es ist, als würde ein glühendes Eisen von unten durch seine Lenden in den Bauch fahren. Unwillkürlich geht er in die Knie. Das Ziehen lässt nach.

„So“, verkündet Bernadette. „Hier ist deine Schürze. Und jetzt Entengalopp in die Küche. Und die Hände bleiben schön brav heroben!“

Jeder Schritt ist ein Alptraum, während er sich in die Küche schleppt und Bernadette ihn von hinten anstichelt. „Schnell schnell, sonst kommt wieder die Motivationshilfe!“

Schwer stehend, halb im Knieen, eingeknickt wie eine verbogene Büroklammer, beginnt er zu kochen, während sie kichert und seinen Schmerz bissig kommentiert. „Na, tut’s auch weh? Nicht dass dein Peewee sich aufstellt. Manchmal haben Männchen ein kleines bisschen Haue gern, findest du nicht?“

Winston zieht Zwiebeln ab und schneidet sie in feine Würfel. Er erhitzt das Olivenöl, dünstet die Zwiebeln glasig und gibt Zucker und Tomatenmark dazu. Das Ganze löscht er mit Dosentomaten und Gemüsebrühe ab, kocht es auf und lässt es köcheln.

Er schält und schneidet Melone und Papaya. Bernadette stiehlt ihm ein Stückchen Melone und küsst ihn.

Er wäscht eine Chilischote, entkernt sie zur Hälfte und schneidet das Fruchtfleisch in kleine Stücke. „Ich hoffe, es ist nicht zu scharf“, meint Bernadette. „Sonst darfst du eine Chili essen, schön langsam.“

Er macht Spießchen aus den Früchten und Mozzarella, wärmt ein Schüsselchen vor und schmeckt die Suppe ab. Aus Sekt, Gelatine, Zucker und Erdbeeren zaubert er ein Gelee zur Nachspeise, Dann tut er einen Tupfen Creme Fraiche auf die Suppe, zieht mit einem Spießchen ein Herz in die Creme, stellt das Gelee kalt und serviert die Suppe. Bernadette nimmt sich ein Bier aus dem Kühlschrank. Von Schmerz gezeichnet, keuchend und eingeknickt, schwitzend am ganzen Leib, kann Winston kaum atmen, geschweige denn auf die extravagante Getränkewahl hinweisen.

„Du kennst doch die Geschichte von Edita“, beginnt Bernadette, während sie isst. „Oh, das ist delikat, Schätzchen – da hast du ein Stück. Und nimm dir den Rest von der Suppe, ich bin zu faul um aufzustehen. Jedenfalls, Edita. Sie wurde von einer Männchenhorde aufgegriffen, gequält, gefoltert und vergewaltigt. Ihre tapferen Mitstreiterinnen befreiten sie. Gemeinsam errichteten sie die Gerechte und Gewaltfreie Gesellschaft, die wir jetzt haben.“

Sie schlürft laut an der Suppe. „Delikat. Was du vermutlich nicht weißt, ist, wie Edita befreit wurde. Was glaubst du, wie sie das Imperium der Brutalzeit zerschlagen haben? Du solltest mir zuhören, es ist eine spannende Sache. Edita fand heraus, dass ihre Wachen bei ganz bestimmten Formulierungen, bei bestimmten Gesten immer dieselbe Reaktion zeigten. Es war wie ein Mechanismus, wie eine Automatik. Sie begann, die männliche Automatik zu erforschen. Als sie wieder frei war, nahmen Edita und ihre Schwestern ein paar einzelne Männchen gefangen. Sie führten Experimente durch, oh ja. Sie verfeinerten ihre Technik. Sie fanden heraus, wie man Männchen zu praktisch allem bringt. Die Idee ist uralt. Bring sie dazu, dass sie sich schuldig fühlen, und sie tun, was immer du willst, einfach weil sie das Schuldgefühl loswerden wollen. Besonders gut, wenn man schon bei den Kindern beginnt. Herrliche Suppe. Bring mir die Nachspeise!“

Winston freut sich, dass es ihr schmeckt. Er hat versucht, zuzuhören, aber er hat wieder einmal wenig begriffen. Er kriecht halb, geht halb zum Kühlschrank und trägt das Glas mit dem Champagner herbei. „Mund auf!“ sagt Bernadette. Sie schiebt ihm ein schönes Stück vom Gelee in den Mund. Leicht prickelnd, süß und mit einem Hauch Säure und einer winzigen, luftigen Prise Bitter, ist es wie ein Flug über Wolken, in einem strahlenden Himmel.

„Wiederhole, was ich gesagt habe!“

Winston gibt wirklich sein Bestes.

„Steh gerade!“ Winston stöhnt auf. Der Schmerz ist unerträglich. Er stützt seine Hand auf den Tisch. Bernadette stößt die Hand weg. „Aufstützen darfst du dich, sobald du mir wiederholt hast, was ich sage.“

Geduldig, langsam, wiederholt sie die Geschichte von Edita, die ihre Erkenntnisse nutzte, um den Männchen Schuldgeständnisse abzulocken. Wie es ihr zum ersten Mal gelang, ein Männchen dazu zu bringen, dass er beim Anblick einer Banane in Ohnmacht fiel. Wie ihre Schwestern das Werk weiterführten. Wie heute schon im Kindergarten gewisse Handlungen mit bestimmten Gefühlen verbunden würden, und dass den meisten Frauen nicht klar sei, was sie sich selbst dadurch wegnahmen. Eine Gerechte, Gewaltfreie, zu Tode gelangweilte Gesellschaft!

Nachdem er beim Drittenmal unter Weinkrämpfen imstande war, halbwegs zu wiederholen, was sie gesagt hat, befreit sie ihn vom Gewicht und dem Schmerz. Sie nimmt sein Gesicht in beide Hände. „Winston“, sagt sie. „Das, was ich dir gerade gesagt habe, darfst du niemals vergessen.“ Sie wirkt ernsthaft, als würde sie eine Zukunft erahnen. „Du darfst es nicht vergessen, ganz egal was passiert, ganz egal, was sie mit dir tun… und du darfst es auf keinen Fall irgendjemandem sagen. Verstehst du mich?“ Winston nickt. „Das ist wichtig, Winston, wichtiger als du dir vorstellen kannst. Wenn jemals irgendjemand erfährt, dass du das weißt… wenn jemals jemand erfährt, dass ich es dir gesagt habe…“ Sie verstummt. Sie setzt sich auf ihren Sessel und zündet sich eine Zigarette an.

„Marsch, die Treppen hinauf“, befiehlt sie ihm. Ihre Stimme ist flach, wie erschöpft, und ihr Blick geht ins Leere. „Stell dich auf alle Viere aufs Bett und verbinde dir die Augen mit dem Seidentuch. Ich komme später nach.“

Winston will gehen, bleibt stehen, legt die Schürze ab. „Oh, und, die Schürze, ja…“ Ohne dass Bernadette es ihm sagt, stellt Winston ihr ein Glas hin und füllt es bis beinah zur Hälfte mit Whiskey. Bernadette lächelt. Winston geht.

Er glaubt, Stunden gewartet zu haben. Sein Rücken schmerzt ihn ein wenig, aber es ist leicht zu ertragen im Wissen, dass sie am Ende ja doch kommen wird.

Er hört sie, als ob sie sich an eine Beute anschliche, und dann hört er es rascheln, und dann fällt ihr Gewicht auf das Bett, und dann spürt er sie – weich und samtig wölbt sie sich über ihm. Sie teilt seine Backen und schmiert ihn ausführlich kalt ein. Dann spürt er, wie es hart in ihn eindringt, ihn schmerzvoll und bekömmlich ausfüllt. Sie redet leise mit ihm – er bemerkt, wie er sich entspannt. Er wehrt sich nicht gegen den Schmerz, wehrt sich nicht gegen die Freude. Als ihre Finger unter ihm hingleiten, vernimmt er kurz den Impuls, sich zu versteifen, sie von sich zu schütteln. Bernadette redet mit ihm, flüstert ihm zu, und dann ist er außerhalb, sieht sich selbst, wie er da auf dem reichen Bett steht, kann dieses fremden Männchens Freude mitfühlen und seine Angst begreifen, und auf einmal überkommt ihn ein großes Mitleid mit Winston, eine Gnade für sein lebenslanges Missglück. Während die Finger sich seinem Peewee nähern, ihn sogar berühren, und Winston da unten Gefühle spürt, Empfindungen, die er niemals gespürt, niemals für möglich gehalten hat – hier oben ist Winston sicher, hier überfluten die Gefühle ihn nicht.

Als Bernadette aufhört, ist Winston beinahe enttäuscht.

„Siehst du“, flüstert Bernadette, ihn von hinten umfangend, während er seine Augen schließt, um nichts zu sehen, was nicht gesehen sein darf. „Siehst du, es ist doch leichter, als du gedacht hättest. Bald wirst du Dinge sehen, die du nicht glauben würdest. Bald wird das alles so leicht für dich sein, und dann wirst du dich wundern, wie du jemals…“

Sie unterbricht sich. Sie streichelt sanft über seinen Arm. „Dein Peewee ist stark, Winston, gerade und sanft und groß. Und wunderschön. Er fühlt sich gut an.“

Wieder stockt sie, schweigt eine Weile. „Winston… ich möchte dich in mir spüren.“

Wenig später hört er, wie sie hinter ihm sanft schnarcht. Erfüllt von Gedanken und Bildern, unsicher, denkt er erschöpft, dass er die Nacht wachliegen wird. Dann ist er eingeschlafen.

In der Früh hat Bernadette ihn verabschiedet, und sie ihm gesagt, dass er pünktlich zu Mittag an sie denken wird. Sie hat ihm eine Kette um seinen Hals gelegt, mit einem glitzernden kleinen Herzen daran, zur Erinnerung.

Winston strahlt. Nie zuvor war er mit Bernadette so nahe an einer echten Requirierung. Er fühlt, dass es zwischen ihnen etwas ganz Besonderes ist – nichts Alltägliches, nichts Normales, vielleicht auch nichts ganz Vernünftiges – aber dafür romantisch und aufregend, das Herz durchglutend, einzigartig.

B.S. arbeitet wie besessen. Winston überkommen wieder die Zweifel: Worauf lässt er sich ein, wohin kann denn das führen? Hat sie wirklich gesagt, sie will ihn in sich spüren? Er muss sich verhört haben. Eine Göttin wird sich die Zuckungen eines Peewees nur antun, wenn sie sich Nachkommen wünscht, und das tut sie nur im gerechten, gewaltfreien und vollkommenen Stand der Gehörigkeit.

Er muss sich verhört haben.

Um zwölf Uhr bemerkt er, wie seine Finger beginnen, an seiner Kette zu spielen.

In düsterer Ahnung befangen, verlässt Winston das Zimmer, sticht die Stechkarte und rast zum Klo. Dort angekommen, hat er gerade noch Zeit, sich die Hose herunterzureißen, die über dem Peewee spannt. Er verkeilt sich mit beiden Armen in dem Klostall, um nicht hinunterzugreifen – einen Moment fürchtet er, er hätte vergessen, die Tür abzuschließen. Er beißt sich fest auf die Zähne, um nicht laut aufzuschreien.

Ohne dass er es verhindern könnte, starrt er an sich herab: hinab auf das schreckliche Monster, das seinen Peewee verschluckt hat und nun dort wuchert, immer noch wächst, und dabei schrille Stöße von sich gibt wie ein elektrischer, greller Schrei.

Winston weiß nicht, was er tun soll. Er versucht es mit Entspannung. Er versucht, an etwas anderes zu denken. Er gibt auf. Er hat die Pausenzeit längst überschritten. Hoffnungslos, drängt er das Peewee, das sich verzweifelt wehrt wie ein eigenständiges Tier, zurück in die Hose.

Im Büro versucht Winston, ein ausdrucksloses Gesicht aufzusetzen, während sein Geist rast. Wenn Bernadette so eine Macht auf ihn hat, wenn sie ihn zu bestialischen Dingen treiben kann – was wird geschehen, wenn er sich ihr länger hingibt? Wird er zurückfallen auf eine archaische, brutale Stufe? Wird er zum Mörder, zum Tier?

Winston muss mit jemandem reden. Bei Gelegenheit, während B.S. seine Pause macht, fragt er René, ob er am Abend mit ihm einen trinken geht. René scheint selbst erleichtert zu sein. Offenbar braucht er selber ein freundliches Ohr.

Im Lokal an der Ecke sind sie schon öfter gesessen, René und er, und haben Pläne geschmiedet und Träume geträumt. René ist nicht laut, gibt nicht an, tut seine Dinge allein und in Stille. All das macht ihn sympathisch. Außerdem liebt er die klassische Musik – Clara Schumann, Bettina von Arnim, Alma Mahler und Christina Stürmer.

Sie sitzen auf den männchenbunten kleinen Männchenbänkchen und nuckeln an ihren Saftc*cktails. Drüben an der Bar lehnen ein paar Göttinnen wohl schon den ganzen Nachmittag, sind laut und fluchen – eine schaut her, deutet auf Winston, überlegt es sich dann aber anders und winkt ab.

In Andeutungen redet Winston. Dass er das Halsband will, dass diese Göttin, die ihn nimmt, ihn nicht ordentlich requiriert hat, dass sie manchmal… seltsame Sachen will. Dass sie ihm einen Brief geschrieben hat, der schön ist, aber… unverständlich.

„Oh, Herzchen – aber das ist schrecklich. Seltsame Sachen? Wie was denn zum Beispiel?“

Erschrocken stellt Winston fest, dass er nicht vorher überlegt hat, was er erzählen darf. Er läuft feuerrot an, stammelt dann etwas von Sachen, die wehtun, und, dass sie eben… „mehr will“, in der Hoffnung, dass René versteht, dass er nicht ins Detail gehen will.

„Du musst mit ihr reden“, beschließt René kategorisch. „Man muss in Beziehungen offen reden, das ist das Geheimnis. Göttin Angelique“, er hebt kurz sein schimmerndes Gehörigkeitshalsband an, das wirkt wie eine instinkthafte Handlung – „Sie macht mit mir jede Woche ein offenes Gespräch, wo wir uns alles sagen, was uns beschäftigt, was in uns vorgeht. Ist es nicht großartig, wenn man in einer Beziehung gut reden kann? Obwohl…“ Er nippt an seinem Fruchtsaftgetränk. „Ich habe da auch etwas, das… naja.“

„Raus damit“, sagt Winston, der erleichtert ist, dass René nicht nachbohrt; andererseits hat er sich einen guten Rat erhofft. Immerhin, vielleicht soll er es wirklich mit Ehrlichkeit probieren – hat Bernadette nicht gesagt, dass er ihr seine Meinung ehrlich sagen soll?

Jetzt ist René schon im Plaudern, und es ist keine Zeit zum Nachdenken. „Ich liebe Angelique, wirklich, ich meine, wow… und dann, wenn ich Frau Doktor Schreier sehe, weißt du. Sie ist schon eine sehr starke Göttin, sehr beeindruckend… attraktiv auf ihre Art. Nicht dass ich in sie verliebt wäre, wie B.S., nein nein, wie gesagt, ich liebe ja Angelique. Es… macht mir Angst, Winston. Wirklich. Bin ich ein schlechtes Männchen?“

So treuherzig kann René schauen. So gut kennt Winston diese Gefühle. So meldet sich in ihm jetzt der Zweifel, und er wehrt sich, so gut er kann. Er spürt, es gibt eine Reise, und es gibt einen Weg, und wenn er diesen Weg geht, dann kann er nicht umkehren, und wer weiß so genau, was dann geschieht… es kann alles mögliche sein, es kann sein, dass er alles verliert. Es sind unvorstellbare Dinge.

Winston braucht Luft. Dringend. Winston hört zu, so gut er kann.

„René… René! René!!“ Der sieht ihn entsetzt an, Augen weit aufgerissen. „Ich kann jetzt nicht. Wirklich nicht. Die Göttinnen, René…“ Plötzlich hat er Renés Arm gefasst. „Die Göttinnen spielen ein Spiel mit uns, René. Oh…“ Dann wirft er einen Geldschein auf den Tisch, und dann ist er zur Tür hinausgerannt, verschwunden in der dahingleitenden Menge, die durch die Nacht schon gelichtet ist.

Bernadette lädt ihn zum Samstagnachmittag. Sie hat einen Picknickkorb, und er darf mit ihr in ihrem Elektrocar fahren.

Elektrocars faszinieren Winston. Er bewundert, wie Bernadette die komplexe Schaltung bedienen kann, und dass sie dabei auch noch reden kann, fasziniert ihn besonders.

Sie liegen auf einer Waldlichtung. Die Sonne fällt angenehm durch das Laub, kitzelt die Nase. Winston muss niesen. Bernadette kichert. Winston massiert ihre Beine, sogar ihren Rücken. Winston ist glücklich.

„Gib mir den Wein“, sagt Bernadette. Sie schenkt zwei Plastikbecher voll und gibt Winston einen. Er nippt. Es schmeckt ihm. Er nippt weiter. Als er die Weinflasche zurückstellt, bleibt sie an etwas hängen, und Winston sieht nach – etwas Weiches, Gummihaftes. In Plastik gepackt. Ganz ohne zu denken, zieht er es aus dem Korb. „Was ist das?“ fragt er, ahnungsvoll erschrocken und auch ein wenig angewidert.

„Komm“, sagt Bernadette. „Setz dich.“ Winston schüttelt den Kopf. „Setz dich – wir hatten es grade so schön.“

„Ich möchte wissen, was das in dem Korb ist“, beharrt Winston.

„Ich möchte dich in mir spüren.“ Bernadettes Kopf ist hochrot angelaufen, und sie schafft es nicht, Winston ins Gesicht zu blicken. „Einmal wenigstens. Ich hab sie am Schwarzmarkt gekauft. Ich wollte…“

Da hat Winston schon seine Sachen gefasst und sucht nach dem Weg durch das Dickicht. Hinter sich hört er sie rufen: „Ich möchte… einmal wenigstens…“ Dann schlagen wilde, stachelbewehrte Äste nach ihm, während er sich einen Weg bahnt. Er weiß nicht, wie er läuft. Ein paarmal glaubt er, dass sie ihm nachläuft; sein Gesicht ist voller Schrammen, er fühlt sich schrecklich erschöpft, enttäuscht und müde.

Natürlich läuft sie ihm nicht nach.

Sie müsste ihm nachlaufen. Wenn sie ihn wirklich liebt, müsste sie das.

An der Straße steht er und streckt den Daumen hinaus. Eine Göttin hält an, nimmt ihn mit. Elektrocars sind jetzt nicht faszinierend. Es sind schreckliche Dinger. Er wäre bereit, mit der Göttin nach Hause zu gehen oder ihr auf dem Weg zu Diensten zu sein – alles, solang er die Augen geschlossen, das Peewee unbewegt halten darf. Die Göttin lässt ihn an der Ampel aussteigen; ihr Blick ist voll Mitgefühl, und sie wünscht ihm noch einen guten Heimweg, und alles Gute.

Sicher hat sie ein sehr braves Männchen, das sie schlägt und das ihr dient und das ihr die Nestwärme gibt, die eine Göttin braucht und verdient. Warum kann Winston nicht so einer Göttin in Zugehörigkeit eignen?

Die Tage schleppen sich hin. Winston wird Bernadette niemals wieder besuchen. Er hat ihre Kette in seinem Geheimfach versteckt. René bemerkt, dass er die Kette nicht trägt; Winston behauptet, er hätte sie verloren. „Oje“, sagt René, „da wird deine Göttin nicht glücklich sein.“

Neinnein, ist sie nicht. Ist sie hoffentlich nicht.

Am Sicherheitstor tappen die breiten Hände auf ihm herum, und die Sicherheitsgöttin macht Zwinkeraugen, und es ist Winston egal. Er existiert ja kaum. Er ist allein. Er ist zweiunddreißig. Die Chance, dass er jemals noch Zugehörigkeit findet, ist verschwindend gering, und von Tag zu Tag schwindet sie weiter – ein Schiff weit im Nebel draußen. Keine Positionslichter. Niemand an Bord. Ein Geisterschiff.

Adrian schlurft her, stellt seine Frage, hinterlässt einen Brief und schlurft weg. Die Tür fällt ins Schloss. Um elf Uhr sitzen sie wieder im Meetingraum. Das Schachbrettmuster ist langweilig. Winston richtet sich kraftlos seine Krawatte. Der Duft fällt ins Zimmer; Frau Doktor Schreier nimmt Platz.

Sie verkündet, dass sie recht zuversichtlich sei. Sie verkündet die Zahlen. Sie verkündet neue, verbesserte Maßnahmen. Plötzlich hat Winston einen Gedanken an Bernadette. Plötzlich versteift er sich. Plötzlich sieht er ihr Bild. Plötzlich erinnert er sich. Plötzlich ist sein Peewee.

„Winston?“ fragt Frau Doktor Schreier nach.

„Wie bitte?“

Frau Doktor Schreier sieht aus, als hätte er ihr einen Topf Maden vorgesetzt. „Wiederhol sofort, was ich gerade gesagt habe.“

„Ich, äh… ich…“ Winston verstummt. Er blickt fest auf den Tisch. Ihm ist heiß. Sein Kopf ist hochrot. Sein Peewee ist immer noch dieses Monster.

„Wir sehen uns nachher in meinem Büro.“

„Du kommst mit mir“, sagt Frau Doktor Schreier. Vor dem Sitzungsraum kommandiert sie zwei Sicherheitsgöttinnen ab, die salutieren und ihnen folgen.

Plötzlich kommt Winston das komisch vor: dass Göttinnen einander Befehle erteilen. Wieso ist ihm das bisher nie aufgefallen? Es ist, als hätte die Welt plötzlich mehr Tiefe, als gäbe es überall Seitengänge und versteckte Türen. Doppelte Böden und versteckte, tödliche Fallen.

In ihrem Büro sitzt er auf dem Holzsessel vor ihrem Tisch. Sieht sie ihn von oben her an. Sie steht auf, zündet sich eine Zigarette an und wendet sich gegen das Fenster.

„Ich habe schon lange den Eindruck, dass mit dir etwas nicht stimmt“, sagt sie. „Du bist unaufmerksam und nachlässig, und du kannst nicht einmal deine Krawatte richtig binden.“

Winston schielt nach seiner Krawatte. „Sinnlos“, sagt Frau Doktor Schreier, ohne sich umzudrehen. „Du kannst sie nicht sehen. Geht nicht.“

Sie stößt Rauch aus. „Männchen! Alberne Kindergeschöpfe.“

Sie setzt sich wieder. „Na gut, Winston! Schau mich an.“

Winston sieht sie an. Stille senkt sich. Dann beginnt Frau Doktor Schreier mit sanfter, leiser Stimme zu reden, die Winston ihr nicht zugetraut hat, und sie sagt, dass er nichts dafür kann, dass sie alles weiß, dass er es ihr ruhig sagen kann, alles, alles, sie ist ja auf seiner Seite und will, dass alles bald wieder gut, gut wird… Plötzlich, wie aus dem Nichts, fühlt Winston den Drang – er fühlt den Drang, aufzustehen, sich vor ihr niederzuknien, sie um Verzeihung zu bitten. Er fühlt das Schuldgefühl. Er fühlt das Pochen, das Ziehen.

Er starrt Frau Doktor Schreier an, hockt festgebannt auf seinem Stuhl, weiß nicht wie tun. Seine Schaltkreise brennen gegeneinander zum Kampf an, Schuld und Scham und Gehorsam und Wille, und er zuckt ein wenig mit den Händen. Und er bewegt sich nicht.

„Was hat sie dir angetan?“ fragt Frau Doktor Schreier.

Wie magnetisch gezogen, hockt er sich vor ihr auf die Knie, schließt die Augen, lässt sich den Kopf hinführen.

„Brav… Es wird alles gut“, seufzt sie. Winston vergräbt seinen Kopf in ihrem Schoß.

Dann, plötzlich, öffnet Winston die Augen. Winston sieht sich, wie er da kniet. Winston hört, wie Frau Doktor Schreier zu stöhnen beginnt. Winston versteht, wen sie gemeint hat. Winston fühlt etwas, das er noch nie einer Göttin gegenüber gefühlt hat: Winston ist angewidert. Ohne irgend etwas zu verstehen, ein Unbeteiligter an der Szene, ein Zuschauer, sieht Winston sich aufspringen, hört Frau Doktor Schreier fluchen… hört sie befehlen, „Mach sofort weiter!“ Er wischt sich den Mund ab. Die Göttin zuckt, führt ihre Hand zwischen die Beine, keucht, „oh verdammt, du Schwein, was hat sie getan“, und ihr Atem wird schnell, flach, und sie stöhnt auf…

Winston ist längst aus dem Raum. Er geht den Geheimweg, die Abkürzung. Er hat keine Zeit. Sobald die Sicherheitsgöttinnen hinter ihm her sind, ist es vorbei.

Er stolpert ins Büro. Er nestelt sich an der Krawatte. Er reißt seine Lade auf. Die erstaunten Blicke von B.S. und René missachtet er. Das Geheimfach… das Geheimfach ist abgerissen. Er wühlt in der Lade.

„Wer von euch…?“ fragt er. „B.S., du Schwein, wie kannst du nur? Nur für dein Weiterkommen? Nur für deine Beförderung? Du S*hlampe!“

B.S. zuckt mit den Achseln. In den Augenwinkeln sieht Winston René, der sich wegduckt. „Und dir hab ich vertraut!“

„Ich konnte nicht… ich musste doch… es ist Pflicht, bei Verdacht…“

Winston rast auf René zu. Ihm ist alles egal. „Wo ist er? Wo ist der Brief?“

René deutet hilflos hinaus. „Du hast ihn schon…?“ René nickt. „Scheiße!“

Winston hat nur noch einen Gedanken. Er muss hier hinaus, schnell. Er rast den Gang hinunter, zwei Sicherheitsgöttinnen kommen ihm entgegen, er biegt ab. Dort hinten der Lastenaufzug, vielleicht ist er schnell genug. Er drückt auf den Knopf, da hört er sie hinter sich in den Gang biegen. Die Treppe! Er reißt an der Tür, stürzt ins Treppenhaus. Einen halben Stock weit, warten sie schon unten am Ausgang? Im nächsten Stock flieht er zurück ins Gebäude. Da ist der Aufzug. Er drückt den Knopf für den Keller. Die Türen wollen sich nicht schließen. Es scheint ihm eine halbe Ewigkeit.

Endlich, endlich ist er unterwegs.

Er lehnt sich atemlos an die Wand des Aufzugs. Hier gibt es keine Sickermusik. Hier ist er ganz allein.

Die Parkgarage liegt im Dunkel. Es ist still – Winston wagt kaum zu atmen. Von den geparkten Elektrocars geht ein meltallischer, heller Duft aus. Sie sind nicht giftig, aber Winston hatte in ihrer Nähe immer das Gefühl, dass etwas ihn schwächt. Winston schleicht an der Wand entlang, immer im tiefen Schatten, immer gewahr, ob eine Türe sich öffnet oder sonst ein Geräusch ist. Und dann muss er freilich schnell sein, er muss Bernadette warnen. Warum hat er nicht früher begriffen, was alles in diesem Brief steht? Was genau hat er René alles erzählt in den letzten Wochen? Was hat René geahnt, übertrieben, weitergeleitet? Winston schleicht an dem Häuschen des Parkwächters vorbei, der tief schlafend schnarcht. Als er die Luft, das Sonnenlicht auf der Haut spürt, fühlt er sich fast schon sicher. Er erobert ein Taxi und nennt die Adresse.

Er schlägt an die Tür und er läutet Sturm. Er kann sich jetzt nicht darum kümmern. Sein Gesicht tränenverschmiert, als sie öffnet. „Kommen Sie“, ruft er. „Sie haben alles herausgefunden.“

Sie zieht macht einen knappen, kontrollierenden Blick auf die Straße links rechts, zieht ihn schnell in das Haus, schlägt die Tür zu. „Was… wer weiß was?“

„Der Brief“, stammelt Winston. „Mir war ja nicht klar, was das heißt. Und Frau Doktor Schreier, sie, ich war ungehorsam, sie weiß, dass… Sie haben irgendetwas mit mir gemacht, hat sie gesagt. Verdammt, ist das wahr? Ist das wahr?“

Fassungslos starrt Bernadette ihn an. „Ja, vielleicht… ich weiß nicht. Ich meine, ich wollte nicht. Ich wollte…“

„Keine Zeit!“ schreit Winston. „Wir müssen verschwinden.“

„Ruhig“, sagt Bernadette. „Hast du einen Zufluchtsort? Irgendjemand, der dich versteckt?“

Winston weiß es nicht. Es ist keine Zeit, nachzudenken. „Ich habe jemanden, ja. Ich werde schon etwas finden, kommen Sie!“

„Du gehst dorthin. Ich werde erst noch die Kondome vernichten.“ Sie ist bereits auf dem Weg. „Geh! Geh!“

Winston wendet sich hin und her und entschließt sich. Da hört er einen schrecklichen Krach, dass er die Hände vors Gesicht schlägt. Ätzender Rauch wirbelt um ihn, und er ringt um Atem, fällt zu Boden. „Gesichert“, sagt eine tiefe Göttinnenstimme. „Gesichert – hier sind sie nicht.“

„Hier!“ ruft eine andere Stimme. „Hierher! Ich hab sie! – Auf den Bauch legen! – Keine Bewegung!“ Hart stößt ein Stiefel in Winstons Kreuz. „Hände über den Kopf!“

Als sie abgeführt werden, erhascht Winston zum letzten Mal einen Blick in Bernadettes Gesicht. Unter dem zugeschwollenen Auge, der blutverschmierten Haut zwinkert sie ihm zu – dann reißt sie noch einmal mit Armen und Beinen an der Umklammerung von zwei Sicherheitsgöttinnen – das Dreigespann stolpert, zwei weitere Sicherheitsgöttinnen eilen mit Schlagstöcken herbei. Winston jault auf.

Die Zelle ist kalt, die Pritsche aus blankem Metall. Die Wächterinnen klopfen nachts an die Zellentür, um die Gefangenen aus dem Schlaf zu reißen.

Einmal am Tag ist Hofsport. Sie müssen Liegestütz machen, während eine Wächterin ihnen die Stiefelspitze ins Kreuz oder den Nacken rammt. Oder Situps, und eine Wächterin schlägt mit dem Knüppel in den Bauch, wenn er nicht weit genug hochkommt. Die Suppe ist dünn.

Später wird Winston die Zeit als einen Luxus in seiner Erinnerung haben.

Winston wird der Richterin vorgeführt. Er muss stehen, eine Wächterin umklammert seine Hand auf dem Rücken. Die Richterin sagt, Bernadette hat alles gestanden, wie sie Winston manipuliert hat, sodass er nicht anders konnte. Sie sagt, wenn er gesteht, wird man milde mit ihm verfahren. Sie sagt, wenn er weiter verstockt schweigt, kann sie nichts für ihn tun.

Sie sagt, Bernadette ist nur eine Reversale, sie sagt, sie sind Bernadette Marfeed schon lang auf den Fersen, und mit seiner ehrlichen Aussage werden sie ihr endlich das Handwerk legen.

Winston sagt, er will Bernadette sehen. Auf einen Wink hin wuchtet ihm eine Wächterin ihren Knüppel in die Bauchhöhle. Die Richterin sagt, sie gibt ihm ein wenig Zeit, ihre Geduld ist begrenzt.

Er wird zurück in die Zelle geführt.

„Was hast du angestellt?“ fragt sein Zellengenosse.

„Verweigerung.“ Winston ist nicht in Stimmung für Konversation.

„Oh. Aber nicht in Zugehörigkeit?“

„Nein.“ Winston dreht sich doch um. Als ob es was brächte! Er hat aber eine Hoffnung.

„Dann kannst Glück haben. Ein Jahr normales Gefängnis, oder Reformationshaft. Vorgeschichte?“

Winston fasst es in zwei Sätze. Der Mithäftling richtet sich auf, wird neugierig. „Ich heiß Eddie, übrigens.“ Seine Zähne sind eingeschlagen. Seins ist ein Sorgengesicht, breit und breiig.

„Winston.“ Winston erzählt vorsichtig. Was im Brief stand, die Kondome – was sie ohnehin wissen.

„Magst diese Marfeed nicht reinreiten. Nobel. Wirst ihr nicht helfen.“

Winston horcht auf. „Was glaubst du, passiert mit…“

„Göttinnen? Mit Kondomen? Penetration ohne Fortpflanzungswillen. Möglicherweise hat sie sogar versucht, dich umzudrehen. Hört sich für mich jedenfalls verdammt so an.“

„Umdrehen?“

„Du hast keine Ahnung, oder? Wie das alles“, er deutet rundum, „funktioniert? Sie pflanzen dir Dinge ein. Uns. Den Männchen. Gleich von Anfang an. Irgendwas im Kopf, von Geburt an, macht dich…“ Er dreht den Finger an der Stirn. „Ich hab was von Programmen gehört, die ablaufen, wenn eine Göttin was sagt oder was tut. Aber wer weiß schon genau, wie der Scheiß geht.“

Winston schaut ihn ungläubig an.

„Glaubst mir nicht? Hm? Schonmal vor einer roten Ampel gestanden? Ein gutes Gefühl, oder?“

„Ich mag rote Ampeln halt. Sie sind…“

„Beruhigend?“ Eddie lacht, zeigt seine kaputten Zähne. „Glaubst du, du bist damit allein? Rote Ampeln wirken beruhigend auf alle Männchen. Das haben die uns so eingepflanzt. Oder ist dir noch nie aufgefallen, dass die Göttinnen sich gar nicht um die Ampeln kümmern? Die gehn einfach weiter, schauen kurz links und rechts, und schwupps.“

Winston hält Eddies Geschwätz jetzt nicht mehr aus. „Und… was passiert mit den Göttinnen?“ fragt er noch, weil er eine Antwort braucht, weil er hofft, dass sie ihm Hoffnung gibt. „Die Richterin hat sie eine Reversalin genannt.“

„Oh Scheiße!“ entfährt es Eddie. „Eine Reversalin!“ Er pfeift anerkennend. „Da hast du dich ja mit was eingelassen.“

„Was ist das? Eine Reversalin?“ Winston spricht vorsichtig, um Eddies Geduld nicht abreißen zu lassen.

„Reversalinnen? Göttinnen, die sich gegens System wenden. Outlaws. Rebellinnen. Hoffnungslose Idealisten. Können nur verlieren. Tut mir leid, Mann. Für die schauts echt beschissen aus. Wahrscheinlich werden sie eine Gebärsklavin aus ihr machen.“

„Eine WAS?“ Winston stößt sich den Kopf an der Pritsche über seiner.

Eddie lacht. „Du glaubst sicher, die Göttinnen sind das höchste Glied in der Kette.“ Er zuckt die Schultern. „Ich weiß nichts genaues, aber… es gibt Gerüchte…“

„Ja? Ich…“

„Du möchtest es wirklich wissen, oder?“

„Ja, natürlich!“

„Wenn du mir einen bläst, gerne!“

Winston schreckt angewidert zurück.

„Scherz.“ beruhigt Eddie ihn. „Das wär eine verbotene Erektion, und ich will nicht schon wieder zurück in die Reformation.“ Er gibt ein angewidertes Geräusch von sich. „Obwohl, komisch ist das schon, oder? Bei einer Göttin kommt es dir völlig normal vor…“

„Eddie, bitte…“

„Okay, okay. Du und diese Marfeed… wirst sie sowieso bald vergessen. Hast dann andere Sorgen. Also, ich hab gehört, es gibt ein paar Männchen, die…“ Seine Stimme senkt sich zu einem Flüstern. „Die werden ganz speziell gezüchtet. Umhegt und verhätschelt. Deren einzige Aufgabe ist es, dass sie den Gebärsklavinnen Kinder machen.“

„Blödsinn!“ ruft Winston. „Kinder kommen, wenn man in einem ordentlichen Zugehörigkeitsverhältnis ist, und dann, dann…“

Winston stockt. Er spürt, dass an dem, was er sagt, etwas faul ist. Und nicht nur an dem, was er da sagt. An allem, was in seinem Leben gesagt wurde, und hat er das nicht schon immer gewusst? Hat er nicht immer schon, irgendwie, einen Verdacht? Ist er deshalb auf Bernadette gestoßen? Hat es sich deshalb so gut angefühlt? Es ist ein seltsamer Moment, sich das einzugestehen, aber…

„Wie geht es dann?“ fragt er leise.

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass sich das ausgeht“, sagt Eddie. „Wie oft lässt sich denn eine Göttin darauf ein, dass ein schmutziger kleiner Peewee sie berührt? Einmal alle fünf Jahre? Nein, Winston, das ist ein Mythos. Das erzählen sie dir, um dich bei der Stange zu halten.“

Winston legt sich auf seine Pritsche. „Hör auf!“ ruft er. „Bitte!“ Er kann sich das nicht länger anhören.

„Schon gut“, sagt Eddie. „Nur, wenn sie dich holen, sag ich dir eines: denk dran, das ist alles der größte Schwachsinn. Das ganze System. Die Reformationshaft. Die ganze scheiß Gerechte und ekelhaft Gewaltfreie Gesellschaft. Der Trick ist, dich nicht erwischen zu lassen.“

Es ist eine Woche, und Winston schweigt immer noch. Er weiß nicht, woher er die Kraft nimmt. Er weiß, das hier ist wichtig. Wichtiger als alles. Wichtiger als er selbst. Wichtiger sogar als Bernadette.

Winston wird verlegt. Er ist jetzt allein. Das Licht, von unerreichbar hoch droben, dröhnt ständig in seine Augen, dringt selbst durch die Lider. Es gibt keine Decke, und die Gefängniskluft ist viel zu dünn, um sie zur Abdunkelung zu benutzen. Als zum ersten Mal die Töne durch die Wand dringen, gequält schreiende Tiere, Gewehrfeuer, heulende Kinder, glaubt er, dass er verrückt wird. Nach kurzer Zeit leidet er unter unerträglichem Kopfweh. Er beginnt, sich mit der Wand zu unterhalten, erzählt ihr Geschichten, horcht angestrengt zu. In dem Durcheinander von Pfeiftönen sucht er nach Mustern, entdeckt hypnotische Befehle, die ihm raten, die Wahrheit zu sagen, ihm mit dem Tod drohen. Er wird aus der Zelle geholt, sie zwingen seinen Kopf in eine Kloschüssel, stellen sich über ihn und p*ssen auf seinen Kopf. Sie schlagen mit einer Elektrocarantenne auf ihn ein, bis er blutüberströmt liegt. „Das magst du doch“, sagen sie. „Du liebst es ja auf die harte Tour, du perverse Sau. Komm, zeig dein Peewee, zeig dein Peewee“, johlen sie, und dann reißen sie ihm die Gefängniskluft von den Beinen.

„Igitt“, sagt eine. „Ich glaub er hat sich angep*sst, diese männliche kleine Sau.“

„Magst du Billard?“ fragen sie ihn. „Hm…?“

Am ganzen Körper bebt er, vor Angst, vor Erschöpfung, vor Scham, vor Kälte. Sie halten ihn auf einem Billardtisch fest, zwei Wächterinnen halten seine Beine gespreizt, eine richtet die Kugeln in einer Linie bereit. Sie zielt auf sein Peewee. Er heult auf vor Schmerz. Wenn sie treffen, jubeln die Wächterinnen einander zu. Plötzlich, eine Sekunde nur, sieht er sich in der Küche mit Bernadette. „Sie enthalten euch eure Strafe vor“, sagt Bernadette, „und stattdessen geben sie euch die Schuldgefühle.“ – „Sie hat dich umgedreht“, sagt Eddie. „Dich umgedreht, umgedreht, umgedreht“. Eddie tanzt um den Billardtisch, lacht sein zahnloses Lächeln. „Eine Reversale! Der Trick ist, dich nicht erwischen zu lassen!“

Mit seinem dröhnenden Schädel, dem Schmerz von seinem Unterleib bis zum Hals, dass er nicht atmen kann, nicht einmal schreien, und plötzlich sieht Winston sich wieder von oben, blickt auf sich herab, spürt den Schmerz und bleibt davon unberührt. Es dauert nicht lange. Doch es ist eine Hoffnung.

Sie schleppen ihn in die Zelle. Dreckig, blutig, erschöpft liegt er, unfähig zu einer Bewegung, unfähig zu einem Gedanken… Die Töne kommen, ganz deutlich hört er jetzt Bernadette, sie spricht mit jemand: „Er muss lernen, sich zu beherrschen. Er muss lernen, sich zu konzentrieren.“ – Eddie antwortet: „Er wird es nie lernen. Da oben wäre er sicher, aber er wird es nie lernen.“

Winston fährt hoch. Er kommt nicht weit. Der Schmerz hält ihn fest. Aber er arbeitet, und er schafft es, sich in eine halb sitzende, halb liegende Position zu wuchten. Was hat Eddie da gesagt? Da oben wäre er sicher.

In Winston glimmt etwas auf. Er denkt an die Küche. Er denkt an den Schmerz, der ihn damals durchfuhr. Er stöhnt auf. Nichts. Seine Stirn steht in Schweiß.

Er sitzt, übend. Irgendwann zwischen Schlafen und Wachen, halbdämmernd in der Erschöpfung, treten die grausigen Schreie zurück in die Ferne, und Winston befindet sich wieder in Sicherheit, wieder für kurze Momente. Er schläft ein, erwacht, übt.

Sie holen ihn. Als sie ihn vor die Richterin stellen, herrscht die Richterin die Wächterin an: „Was soll das? Wieso ist er so dreckig? Waschen Sie ihn gefälligst, bevor Sie ihn bringen!“

Winston wird mit dem Schlauch abgespritzt. Er bekommt sogar neue Kleider! Die Richterin kässt ihn sich auf einen kleinen Holzsessel setzen. Ihre Stimme ist honigsüß. „Ich kann das Licht abschalten lassen. Drei Stunden pro Tag. Wie wäre das? Vielleicht sogar vier. Und die Musik…“

Winston möchte erzählen. Er weint. Er möchte, dass alles vorbei ist. Was soll er mit Bernadette? „Hat sie dich nicht rücksichtslos benutzt?“ fragt die Richterin. „Was glaubst du, warum sie getan hat, was sie getan hat? Für dich… oder für sich selbst? Zu ihrer eigenen Befriedigung? Hm?“

Da konzentriert Winston sich. Er lässt die Erinnerung aufflammen. Er sitzt da wie in Trance, unberührbar, bis die Türe sich öffnet. Eine Wächterin bringt ein Blatt Papier, händigt es der Richterin aus. Die Richterin liest es, sieht Winston ernst an: „Es ist aus. Bernadette Marfeed wurde gerade in ihrer Zelle gefunden. Sie hatte sich in der Nacht erhängt.“ Sie macht eine Bewegung in seine Richtung. „Es tut mir leid, Winston. Sie ist tot.“

Sie springt auf, ist bewegt, geht nervös aufundab durch den Raum. „Ich hätte es gerne verhindert, Winston. Glaub mir das. Wenn du geredet hättest… Jetzt ist es doch egal. Ihr kannst du jetzt nicht mehr helfen. Rette zumindest dich selbst.“

Winston sitzt stumm. Die Richterin zuckt die Achseln und lässt ein enttäuschtes Stöhnen von sich.

Als sie ihn das nächste Mal holen, verkündet die Richterin, dass er in Reformationshaft kommt. Erste Evaluation nach zehn Monaten, danach halbjährlich, bis zur völligen Wiedereingliederung.

Schweigend lässt Winston sich abführen.

Ein Männchen vom Sauberkeitsdienst steht und fegt den Gang. Der Geruch nach Desinfektionsmittel steigt ihm scharf in die Nase. Die Uniform schlabbert an seinem Leib. Er denkt an Hyazinthen, an „Safety“, an Parfums und an Werbung. Ganz sicher sind Hyazinthen heuer endlich wieder im Kommen!

Für jetzt fegt er brav seine Gänge. Die Firma schickt ihn mal hierhin, mal dorthin. Letzte Woche wars ein Krankenhaus. Diese Woche ist es ein wissenschaftliches Institut, irgendwas mit viel Forschung, irgendwas Kompliziertes… nichts für Männchen, sagt Ilse immer.

Winston fährt sich stolz an sein Halsband und hebt es kurz an: eine gewohnte, geläufige Geste in Zeiten des Glücks. Und Winston hat Glück: Nach der Reformationshaft hat Ilse ihn aufgenommen, und nacdh zwei Monaten hat sie ihn requiriert. Probeweise, versteht sich. Immerhin.

Eine Wissenschaftsgöttin tritt in den Gang. Unter dem Arbeitsmantel trägt sie eine rote Bluse, die viel sehen lässt, eine schwarze Hose aus Leder. Ihr Gesicht ist weich, rund unter dem blonden Haarkranz, und leichte Sommersprossen tänzeln verspielt auf dem Näschen, den Wangen. Sie sieht Winston, kommt her, fährt ihn an, dass er schleißig arbeitet. Sie betatscht seinen Unterrücken. Sie sagt, ihre Schuhe sind schmutzig, er muss sofort mitkommen. In einer kleinen Kammer geht Winston in die Knie, schließt automatisch die Augen. Ganz automatisch tritt Winston aus sich, betrachtet die Szene gelassen von oben.

Winston lässt die Göttin sich dreimal verausgaben. „Du bist der Beste“, sagt sie. „Verschwinde.“ Demütig wendet er seine Augen ab, während sie sich die Hose hochzieht. Er blinzelt nur manchmal, wenn er ganz sicher ist, und dann denkt er, dass die Göttlichkeit auch nicht so göttlich ist: Haut und Schleim. Und gekräuselte Haare. Aber er mag den Geruch, den Geschmack, das Gefühl.

Winston beendet die Schicht ordnungsgemäß, verstaut den Wagen, den Besen, und geht durch die Eingangshalle. Ein Tross kommt ihm entgegen: Eine Göttin, eskortiert von zwei Sicherheitsgöttinnen. Ihr Bauch ist riesenhaft aufgebläht. Abgemagert ist ihr Gesicht, faltig und hart. Im Vorbeigehen macht sie eine unauffällige Geste. Durch Winstons Lenden zieht sich ein Pfeil, schrill und hart. Er fühlt ein Kribbeln im Bauch, ein warmes Gefühl in der Herzgegend… keine Schuld. Sein Peewee versteift sich, vergrößert sich. Keine Schuld.

Winston lächelt. „Du darfst dich nur nicht erwischen lassen“, murmelt er, mit sich selber zufrieden, während er durch die Drehtür nach draußen geht, in den strahlenden Sonnenschein und die Menschenmenge, die ihn erwartet.

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